• Gesundheitskosten: Nach DIW-Studie steigen Kassenbeiträge auf 23 Prozent - Institut fordert neue Debatte

Politik : Gesundheitskosten: Nach DIW-Studie steigen Kassenbeiträge auf 23 Prozent - Institut fordert neue Debatte

Die Krankenkassenbeiträge drohen nach einer neuen Studie noch weitaus steiler zu steigen als der Rentenbeitrag. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt einen Anstieg der Kassenbeiträge von heute 13,6 Prozent auf rund 23 Prozent im Jahr 2040 voraus. Vor allem der medizinische Fortschritt werde die Kosten hochtreiben. Die wachsende Zahl älterer Menschen werde die Kassen dagegen weniger belasten als vielfach angenommen, erklärte das DIW in einer am Donnerstag in Berlin vorgelegten Analyse.

Der Beitragssatz wird nach der DIW-Prognose bis 2010 auf 15,4 Prozent klettern und sich bis 2020 leicht auf 15,6 Prozent erhöhen. In den Jahren danach werde er dann ohne radikale Einschnitte und Sparmaßnahmen steil hochschnellen. Ähnliche Zahlen hatten zuvor bereits Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Barmer-Chef Eckart Fiedler genannt. Beide fürchten für kommende Jahrzehnte einen drastisch wachsenden Kostendruck im Gesundheitswesen. Hundt meinte, ohne radikale Eingriffe werde der Beitragssatz bis 2030 auf mindestens 22 Prozent steigen.Das DIW forderte eine offene Debatte über die Probleme.

Entweder sei die Gesellschaft bereit, mehr Geld für die Gesundheit auszugeben, oder Kassenpatienten drohe am Ende eine Medizin zweiter Klasse. "Soll der medizinische Fortschritt weiterhin allen Bevölkerungsschichten zugute kommen, ist ein nennenswerter Beitragsanstieg kaum zu vermeiden", meinte der Autor der DIW-Studie, der Wirtschaftsprofessor Friedrich Breyer. Breyer warnte vor verdeckten oder kurzfristigen Einschnitten bei den Kassenleistungen, die für die Menschen nicht transparent und vorhersehbar seien.

Das DIW, Hundt und Fiedler beurteilen damit die Entwicklung deutlich dramatischer als das Forschungsinstitut Prognos. Dieses hatte in einem Gutachten einen Anstieg der Kassenbeiträge bis 2040 auf nur 16 Prozent prognostiziert. Das DIW kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass Prognos die Kosten des medizinischen Fortschritts deutlich unterschätzt habe. Dagegen habe Prognos die Belastungen durch die Alterung der Gesellschaft überschätzt.

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