Gesundheitspolitik : Liberale für radikale Kassenreform

Mit Radikalforderungen hat die FDP im Bundestag den Wahlkampf über die Gesundheitspolitik eingeläutet und Kritik aller anderen Parteien provoziert.

Berlin - Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) rief den liberalen Abgeordneten entgegen: „Ihr Antrag, einen Angriff auf die gesetzliche Krankenversicherung zu starten und die gesamte Gesundheitsversorgung in ein kapitalgedecktes System zu überführen, zeigt: Sie haben nichts gelernt.“ Auch Unionsabgeordnete ließen kaum ein gutes Haar an der FDP-Vorlage und bezeichneten sie teils als untauglich für mögliche Koalitionsverhandlungen. Ziel der FDP ist es, den Gesundheitsfonds rückgängig zu machen und die Finanzierung der Krankenkassen auf Kapitaldeckung wie in der Privatversicherung umzustellen. „Für den höchsten Zwangsbeitrag aller Zeiten gibt es immer schlechtere Leistungen und längere Wartezeiten“, kritisierte FDP-Experte Heinz Lanfermann. Die FDP wolle die Krankenkassen nicht abschaffen, sondern „größtmögliche Freiheit aller Bürger“ und „bessere Leistungen für alle zu günstigeren Preisen“ erreichen. FDP-Experte Daniel Bahr warb für den FDP-Antrag als „dritten Weg zwischen Bürgerversicherung und einheitlicher Kopfpauschale“.

Ministerin Schmidt warf den Liberalen hingegen vor, sie wollten die Finanzkrise mit der Forderung von Bildung von Rückstellungen ins Gesundheitswesen holen. „Das, was sie hier vorlegen, ist ein Angriff auf das Herzstück unseres Sozialstaates.“ Die geforderte Kostenerstattung laufe zudem darauf hinaus, dass Patienten beim Arzt erst mal die Kreditkarte zücken und hinterher mit der Versicherung streiten müssten, was erstattet wird und was nicht. Dies funktioniere bei teuren Therapien nicht. „Da werden wir kämpfen mit dem ganzen Herzblut.“ CSU-Experte Wolfgang Zöller wandte ein, ohne einen Teil der Finanzierung wie heute über Beiträge zu sichern, sei die Gesundheitsversorgung nicht krisenfest. Rolf Koschorrek (CDU) monierte, die Vorstellungen reichten für mögliche Koalitionsverhandlungen nicht aus. Sein Parteifreund Jens Spahn warf der FDP vor, ihr hoher Anspruch drücke sich nicht in ihren konkreten Vorlagen aus. Grüne und Linke warfen den Liberalen vor, Leistungen einschränken zu wollen. dpa

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