Politik : Gesundheitsprüfung: Für die Politik reicht es

Gerd Appenzeller

Politik ist ein hartes Geschäft, wir ahnen es. Termine von morgens bis abends, unregelmäßiges Essen, kaum Bewegung, ständige Hetze. Und das alles in schlecht gelüfteten Räumen. Jeder, der sich darauf einlässt, weiß, dass er ungesund lebt, wenn er sich nicht permanent unter Kontrolle hat. Andere Berufsgruppen passen da schon von Anfang an auf, dass sich keine Fußkranken in ihre Reihen verirren und durch unnötige Absenzen Ruf und Ansehen einer leistungsfreudigen Elite ruinieren.

Der öffentliche Dienst zum Beispiel. Angela Merkel hat jetzt gerade berichtet, wie streng da die Usancen sind. Die CDU-Vorsitzende? Genau die. Als es noch die DDR gab, war sie stellvertretende Regierungssprecherin. Das war, angesichts des sich nähernden 3. Oktober 1990, ein endlicher Job. Jemand gab der umtriebigen Frau Merkel den Rat, sie solle sich doch beim Senat bewerben. Das schien nicht ganz chancenlos. Ein Fürsprecher würde sich wohl finden. Aber dann kam die Gesundheitsprüfung. Und an deren Ende entschieden weder Fleiß noch Sachverstand, sondern der Blutdruck. Er war bei Frau Merkel zu hoch. Eine fast unüberwindliche Hürde. Es würde wohl nichts werden, mit dem Posten beim Senat. Aber glücklicherweise hatte man ihr inzwischen eine Kandidatur für den Bundestag angetragen, und da fragt keiner vorher nach dem Blutdruck. So hat sie denn eben eine andere Karriere gemacht. Woher wir das wissen? In personenbezogenen und geschützten Krankenakten gestöbert? Keine Spur, sie hat es selbst erzählt, am 2. Oktober bei der "Werkstatt Deutschland" am Gendarmenmarkt. Und wirkte ganz fröhlich dabei.

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