Gesundheitsreform : Viele Arzneimittel ohne Zuzahlung

Patienten bekommen vom 1. Juli an voraussichtlich rund 1.000 Arzneimittel in der Apotheke ohne die bislang fällige Zuzahlung. Hintergrund ist der Preiskampf der Hersteller so genannter Nachahmerprodukte.

Berlin - Vom Wegfall der Zuzahlungen erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag aus Branchenkreisen. Bei welchen Arzneien der Obolus von fünf bis zehn Euro entfällt, vermelden die gesetzlichen Krankenkassen ab der ersten Juliwoche im Internet unter der Adresse www.gkv.info.

Zu den Mitteln zählen unter anderem Schmerz- und Prostatamittel, Krebsmittel, Herz-Kreislauf-Mittel, Magen-Darm-Mittel, Antidepressiva, Antibiotika und Mittel für Epileptiker und Parkinson-Patienten. Bei den voraussichtlich 1.000 Arzneien sind unterschiedliche Packungsgrößen jeweils einzeln gezählt.

Hintergrund ist der Preiskampf der Hersteller so genannter Nachahmerprodukte (Generika), der durch das seit 1. Mai geltende Arzneimittel-Sparpaket der großen Koalition ausgelöst wurde. Wenn die Patienten die Präparate nicht automatisch verschrieben bekommen, müssen sie bei Ärzten und Apotheken darauf dringen. Der Vorsitzende des Bundesverbands Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck, sagte: «Der bekannte Hinweis 'Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker' wird künftig eine ganz neue Bedeutung haben.»

Zuzahlungsbefreiungen sieht das Gesetz bei preisgünstigen Medikamenten vor. Da Versicherte verstärkt zu diesen günstigen Mitteln greifen sollen, erwartet der Gesetzgeber Einsparungen für die Kassen trotz der entgangenen Zuzahlungen. Die Krankenkassen hatten als Reaktion auf das Gesetz für 79 Gruppen von Arzneimitteln mit denselben Wirkstoffen die Möglichkeit der Zuzahlungsbefreiung beschlossen. Mögliche Zuzahlungsbefreiungen bei weiteren Mitteln sollen nach und nach auf der Kassen-Internetseite veröffentlicht werden. (tso/dpa)

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