Politik : Gesundheitssystem in der Krise: Hausarzt als Hobby

Ruth Hoffmann

In den neuen Ländern schlagen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Alarm: Vor allem in ländlichen Regionen droht ein Hausärztenotstand. Viele Allgemeinmediziner, die in den Ruhestand gehen, finden für ihre Praxen keine Nachfolger. In den kommenden Jahren wird sich das Problem zuspitzen. Der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge sind im Osten rund 42 Prozent der Hausärzte älter als 55 Jahre, im Westen nur etwa 22 Prozent. In manchen Landstrichen, zum Beispiel im Erzgebirge, klaffen in der hausärztlichen Versorgung schon jetzt "ganz gewaltige Löcher", sagt Diethard Sturm, selbst Arzt für Allgemeinmedizin und Vorsitzender der KV Sachsen.

Verschärft wird die Situation durch die ohnehin geringere Arztdichte im Osten. Dort kommen nach einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung auf einen Arzt 340 Einwohner, im Westen nur 282. Gleichzeitig steht den Ost-Ärzten für die ambulante Versorgung der Bevölkerung aber etwa 34 Prozent weniger Geld zur Verfügung als ihren West-Kollegen. "Mit diesem Geld müssen sie aber ein Klientel versorgen, das deutlich kranker ist als das im Westen", betont Wolfgang Eckert, Vorstandsmitglied der KBV. Mehr Arbeit für weniger Geld - das mache es dem Nachwuchs nicht attraktiv, sich im Osten niederzulassen.

In Sachsen betreut ein Allgemeinarzt pro Quartal durchschnittlich 950 Patienten. Diethard Sturm hat dies auf die nach Kassenrechnung bezahlte Arbeitszeit umgerechnet und kommt auf 25 Minuten medizinische Behandlung pro Patient und Quartal. "Alles, was wir darüber hinaus machen, ist unser Hobby."

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