Gesundheitssystem : Überalterung belastet Krankenkassen

Neue Studie: Bedingt durch die Alterung der Gesellschaft wird die Zahl der Krankheitsfälle in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen.

Marc Mudrak

Berlin - Wie eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) zeigt, werde sich die Zahl der jährlichen Demenzerkrankungen bis 2050 von heute knapp 300 000 auf mehr als 600 000 verdoppeln. Auch Lungenentzündungen, Augenkrankheiten, Herzinfarkte und Schlaganfälle werden häufiger.

„Das sind klassische Begleiterscheinungen des Alters“, erklärt IGSF-Direktor Fritz Beske. Im Jahr 2050 werde mehr als die Hälfte aller Deutschen an Bluthochdruck leiden, heute sind es 42 Prozent. Laut der IGSF-Prognose werden in 40 Jahren auch jeder Vierte von Gelenkverschleiß, 18 Prozent von Rückenschmerzen und 16 Prozent der Gesamtbevölkerung von Schwerhörigkeit betroffen sein.

„Alterung und Zunahme von Krankheiten werden das Gesundheitssystem vor finanzielle und personelle Schwierigkeiten stellen“, betonte Beske. Denn durch den demografischen Wandel kommen im Jahr 2050 nach Prognosen des Statistischen Bundesamts auf einen Rentner nur noch 1,6 erwerbsfähige Menschen. Heute liegt der sogenannte Altenquotient bei eins zu drei. Das werde die Finanzierung der steigenden Ausgaben erschweren, sagte der IGSF-Direktor. Gleichzeitig gebe es durch den Bevölkerungsschwund weniger qualifiziertes Personal zur Pflege der Alten. Brandenburg sei von diesen Veränderungen wegen der langjährigen Abwanderung junger Menschen besonders stark betroffen. Nach IGSF-Angaben treten dort die für Gesamtdeutschland erstellten Vorhersagen bereits 2030 ein.

Deshalb mahnte Beske eine gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft des Gesundheitssystems an. „Die Politik hat sich dem Problem bisher nicht ernsthaft gestellt“, kritisierte er. Eine wesentliche Erhöhung der Krankenkassenbeiträge sei politisch nicht durchsetzbar. Deshalb müsse auch über den Leistungskatalog gesprochen werden, regte der Gesundheitsexperte an. „Diese Fragen zu klären ist eine der härtesten Aufgaben, die vor uns liegen.“

Udo Barske, Sprecher des AOK-Bundesverbands, forderte eine Stärkung der gesetzlichen Krankenversicherungen. „Tendenzen zur Privatisierung des Krankheitsrisikos gefährden die Stabilität und den Zusammenhalt in der Bevölkerung“, sagte Barske. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung appellierte an Politik und Krankenkassen, die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Marc Mudrak

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