Gesundheitsvorsorge : Bund will Sonnenbankverbot für Minderjährige

Mit einem Solarienverbot für Jugendliche unter 18 Jahren will der Bund die wachsenden Krankheitsrisiken bei Kindern bekämpfen. Doch auch andere Gesundheitsgefahren geben der Regierung Anlass zur Sorge.

BerlinDer Bund will Minderjährigen die Nutzung von Sonnenstudios wegen massiver Hautkrebsrisiken verbieten. Dieser Schritt ist Teil der "Strategie zur Förderung der Kindergesundheit", die am Freitag von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vorgestellt wurde. Bei regelmäßigem Sonnenbankbesuchen in jungen Jahren steige das Risiko, im weiteren Leben an einem gefährlichen Melanom zu erkranken, um 75 Prozent, sagte Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention.

"Das ist eine richtige Zeitbombe" so Breitbart. "In Deutschland gibt es eine erkleckliche Anzahl von 13-jährigen Mädchen und 14-, 15-jährigen Jungen, die Solarien aufsuchen." Mindestens jeder zehnte Minderjährige - wahrscheinlich mehr - folge entsprechenden Schönheitsidealen.

Auch darüber hinaus will die Bundesregierung verstärkt gegen Gesundheitsrisiken für Kinder vorgehen: Angesichts alarmierender Steigerungen bei Alkoholmissbrauch und Übergewicht sowie der sozialen Ungleichheit der Gesundheitschancen bündelt der Bund bestehende Vorstöße zu einer Gesamtstrategie.

1,9 Millionen Kinder sind zu dick

"Ein gesundes Kind hat bessere Chancen, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben", begründete Gesundheitsministerin Ulla Schmidt den Kabinettsbeschluss am Dienstag in Berlin. "Wir wollen gesundheitliche Vorsorge für Kinder ausbauen", sagte Schmidt. "Das muss genauso wichtig werden wie Verkehrssicherheit bereits heute." Grundlage ist die bisher größte deutsche Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie, KiGGS, die vor einem Jahr für Alarmstimmung sorgte.

So stieg die Zahl der übergewichtigen 3- bis 17-Jährigen stark auf zuletzt 1,9 Millionen an, 800.000 davon sind sogar fettsüchtig. Jeder vierte Jugendliche betrinkt sich laut jüngstem Drogenbericht einmal im Monat hemmungslos. Die Zahl der mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Minderjährigen verdoppelte sich seit 2000 auf zuletzt 19.500 Patienten im Jahr. Jedes zehnte Kind zeigt Symptome einer Angststörung.

Bessere Vorsorgeuntersuchungen

Zu den Kernpunkten der Strategie zählt die bereits angelaufene Reform der bislang zehn Arzttermine bis zum 14. Lebensjahr. "Wir wollen, dass alle Kinder an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen", sagte Schmidt auch vor dem Hintergrund von jüngsten Fällen von Missbrauch. Nach dem zweiten Lebensjahr sinke die Teilnahmequote heute auf unter 90 Prozent. Geplant sei ein neues System für die Einladung der Eltern durch Krankenkassen und Länder. Die Ärztekammer hatte eine Verpflichtung gefordert.

Gegen die Ausbreitung von Risiken etwa durch schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung soll neu auf Kassenkosten eine stärkere ärztliche Beratung hin zu Verhinderung von Krankheiten in die Untersuchungen aufgenommen werden. Nationale Impfkonferenzen sollen die Impfquoten bei Masern, Röteln, Keuchhusten und Hepatitis auf 95 Prozent steigern. "Besorgniserregend" sei die Zunahme psychischer Erkrankungen im Jugendalter, sagte Schmidt.

Werbeverbot für Alkohol gefordert

Angesichts des Anstiegs des sogenannten "Komasaufens" bei Minderjährigen signalisierte Schmidt Zustimmung für Experten-Forderungen nach einem Werbeverbot für Alkoholika. Allerdings bedürfe es einer europäischen Strategie, sagte sie. Sie wandte sich gegen Vorstellungen, das Abgabeverbot an Minderjährige mit jugendlichen Testkäufern durchzusetzen.

Schmidt beklagte, dass Unfallrisiken, Rauchen und Übergewicht mit sinkendem Sozialstatus deutlich zunähmen. Die Bundes-Strategie ziele auf "Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig von sozialer Herkunft oder Kulturkreis". Die Linke-Expertin Diana Golze kritisierte: "Ohne ein Konzept zur aktiven Armutsbekämpfung sind die Regierungsbeschlüsse nicht viel mehr als heiße Luft." (jam/dpa)

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