Gesundheitswesen : Neue Ärztestreiks geplant

Ungeachtet grundsätzlicher Verhandlungsbereitschaft der Länder wollen die Ärzte von Montag an erneut Universitätskliniken teilweise lahm legen.

Berlin - Wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden- Württemberg rief die Ärztegewerkschaft Marburger Bund zu Streiks in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm sowie in den psychiatrischen Landeskrankenhäusern des Südwestens auf. Auch an Kliniken in Hannover, Göttingen und anderen Städten sollen nur unbedingt nötige Operationen geleistet werden. Einen Tag nach dem Streikbeginn demonstrierten am Freitag in Heidelberg 270 Ärzte für 30 Prozent mehr Lohn.

Die Länder und die Ärztegewerkschaft erklärten sich im Grundsatz zu weiteren Verhandlungen bereit. Er sei zuversichtlich, dass es nach einer Mitgliederversammlung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) am Montag zu einer Fortsetzung der Gespräche komme, sagte TdL- Geschäftsführer Ulrich Rieger der dpa in Berlin. Der Marburger Bund begrüßte die Bereitschaft, betonte aber das bisherige Fehlen eines offiziellen Gesprächsangebots.

Als Bedingung für Verhandlungen nannte Marburger-Bund-Sprecher Athanasios Drougias ein neues Länder-Angebot. Rieger wies die Ärzte- Kritik, die TdL habe ein unannehmbares Angebot als letztes Wort vorgelegt, als «leicht zu widerlegen» zurück. So hätten die Länder den ein differenziertes Modell angeboten, das Lohnzuwächse bringe. Neben verbesserten Arbeitsbedingungen sei auch eine günstigere Entgelttabelle vorgesehen. Der Marburger Bund bekräftigte hingegen seine Kritik, dass die Länder einen zu geringen Lohnausgleich für gemeinsam vorgesehene längere tarifliche Arbeitszeit wollten.

DGB kritisiert Marburger Bund

Heftige Kritik am Marburger Bund kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Bayerns DGB-Chef Fritz Schösser kritisierte dessen Forderungen als «maßlos» und «unsolidarisch». Die Mediziner der Universitätskliniken versuchten rücksichtslos, ihre finanziellen Interessen durchzusetzen. «Leidtragende sind die übrigen Beschäftigten der Kliniken, zu deren Lasten eine Verschiebung im Gehaltsgefüge geht.» Die Arbeitsbelastung müsse für alle Mitarbeiter spürbar reduziert werden.

Nach Berechnungen des das Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen würde eine Tariferhöhung um 30 Prozent die Existenz zahlreicher Krankenhäuser gefährden. Der Anteil der jetzt schon gefährdeten Kliniken stiege durch die Mehrausgaben von rund drei Milliarden Euro von 20 Prozent auf 35 Prozent. Würden die Kosten auf die Krankenkassen abgewälzt, müssten die Beiträge um 0,26 Prozentpunkte erhöht werden. (tso/dpa)

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