Geteiltes Deutschland : Ostdeutsche über das Leben in der DDR uneinig

Viele Ostdeutsche verbinden mit dem Leben in der DDR positive Aspekte wie Chancengleichheit und Vollbeschäftigung. Dennoch haben sie die SED-Diktatur und die Einschränkungen nicht vergessen.

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Die Berufstätigkeit der Frau gehört bei vielen Ostdeutschen in ihr persönliches Bild der DDR. Doch auch die SED-Diktatur habe die DDR geprägt, empfinden viele.
Die Berufstätigkeit der Frau gehört bei vielen Ostdeutschen in ihr persönliches Bild der DDR. Doch auch die SED-Diktatur habe die...Foto: dpa/picture alliance

Denken Ostdeutsche an die DDR, dann vor allem die Berufstätigkeit der Frau und Vollbeschäftigung. Auch preiswerte Lebensmittel, Betriebsferienheime und Kinderferienlager gehören mit zu den lieben Erinnerungen. Das fand das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg in einer Studie heraus. Darin gaben 25 Prozent der Befragten an, die DDR durchweg positiv zu sehen.

Allerdings denkt fast die Hälfte, 46 Prozent der Befragten, das Leben sei stark von der SED-Diktatur beeinflusst gewesen. Jeder vierte sieht die damalige Bespitzelung und den Schießbefehl mit der DDR verknüpft. Für mehr als die Hälfte bleiben die Reisebeschränkungen als bedeutender Teil des DDR-Lebens. Die Einbeziehung negativer Indikatoren wie staatliche Bevormundung, Versorgungsmängel und Verfall der Städte in das eigene DDR-Bild nehme mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen zu, so die Forscher.

Der Spitzen- und Breitensport nimmt bei einem Drittel der Befragten einen hohen Stellenwert im Leben der DDR ein, zehn Prozent weisen auf Doping als prägendes Merkmal hin. In der Auswertung sagen die Forscher, dass die Ostdeutschen Doping nicht als DDR-typisch ansehen. Allerdings würden viele Ostdeutsche allzu einseitige Schuldzuweisungen aus westlicher Richtung vermuten.

Ein positives Bild haben besonders die 40- bis 59-Jährigen. Junge Leute unter 25 zeigten nur wenig Interesse und Wissen hinsichtlich der Zeitgeschichte. Die DDR mit der Diktatur in Nationalsozialismus gleichzusetzen, lehnen drei Viertel der Ostdeutschen ab. Der größere Teil begründet seine Entscheidung damit, dass die DDR zwar eine Diktatur gewesen sei, jedoch keinen Krieg angezettelt und keinen Völkermord begangen habe. Zehn Prozent finden, dass die DDR keine Diktatur war. Für eine Gleichsetzung sprachen sich in der Befragung 19 Prozent aus.

In der repräsentativen Studie wurden über tausend Einwohner ab dem 18. Lebensjahr in ostdeutschen Bundesländern und in Ost-Berlin befragt. Die Studie wurde von der Linkspartei in Auftrag gegeben.

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