Getöteter Al-Qaida-Chef : Die Nacht, in der bin Laden starb

Fast zehn Jahre jagten ihn die USA als ihren Staatsfeind Nr. 1, am 2. Mai 2011 erfolgte der Angriff in Abbottabad. Details darüber blieben lange geheim. Eine Rekonstruktion.

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Osama bin Laden wurde damals in seinem Versteck in Pakistan überrascht.Weitere Bilder anzeigen
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02.05.2012 11:18Osama bin Laden wurde damals in seinem Versteck in Pakistan überrascht.

Als Osama bin Laden kurz nach Mitternacht Krach im Garten hört, greift er nicht zu seiner Kalaschnikow. Er hat sich mit seiner jüngsten Ehefrau Amal ins Schlafzimmer im zweiten Stock zurückgezogen. Es ist eine mondlose Nacht, so können sie nicht erkennen, was draußen geschieht. Seine Tochter Mariam stürmt die Treppe rauf, wird aber zurückgeschickt. Glaubt man dem pakistanischen Geheimdienstmitarbeiter, der später die Überlebenden der Nacht verhören wird, ist dies der letzte Satz, den bin Laden zu einem seiner Kinder sagen wird: „Geh runter und leg dich wieder ins Bett“.

Draußen haben zwölf Elitesoldaten der US-Kriegsmarine gerade den Absturz ihres Black Hawk MH-60 überlebt. Die Hubschrauberlandung hatten sie oft geprobt, auf einem Testgelände in North Carolina auf einem exakt nachgebauten Anwesen. Allerdings war dort, wie das Magazin „The New Yorker“ später argumentiert, die Lufttemperatur deutlich niedriger, und die bis zu fünf Meter hohe Betonmauer des Areals wurde bloß durch Stacheldraht angedeutet. Vermutlich sind es diese Details, die den Black Hawk über dem Anwesen in Abbottabad in Turbulenzen bringen. Nur weil der Pilot ein Rettungsmanöver einleitet und die Maschine mit der Nase voran ins Gemüsebeet rammt, wird niemand verletzt. Der Pilot des zweiten Black Hawk ändert seinen Plan und landet sicher auf dem freien Feld außerhalb des Anwesens.

Es ist der 2. Mai 2011, und heute wollen sie ihn fangen. Neun Jahre, sieben Monate nach den Terrorattacken von New York und Washington versuchen knapp zwei Dutzend Navy Seals, Angehörige einer Sondereinheit der US-Marine, den Anführer des Netzwerks Al Qaida zu überwältigen. Töten oder gefangen nehmen, lautet der offizielle Auftrag. Wobei Analysten der CIA schon lange überzeugt sind, dass Töten die günstigere Variante darstellt: So werde bin Laden zwar als Märtyrer verehrt, könne dafür aber keinen Prozess als Plattform für Propaganda nutzen.

Die 160 Kilometer von der Ostgrenze Afghanistans bis nach Abbottabad haben die Piloten ohne Scheinwerfer zurückgelegt.  Lokale Behörden sind nicht eingeweiht – als zu groß gilt das Risiko, dass der Plan auffliegt, da Teile des pakistanischen Geheimdienstes mit den Taliban sympathisieren. Man sei skeptisch gewesen, ob die Pakistani „das Geheimnis länger als eine Nanosekunde für sich behalten könnten“, verrät später ein Berater  Barack Obamas dem „New Yorker“.

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