Politik : Getrennt zusammen

Kultusminister setzen die Rechtschreibreform teilweise in Kraft – und diskutieren weiter

Amory Burchard,Anja Kühne

Die Rechtschreibreform wird zum 1. August für Schulen und Behörden verbindlich – mit Ausnahmen vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung. Das gab die Kultusministerkonferenz (KMK) gestern in Quedlinburg bekannt. Soweit Rechtschreibfehler die Groß- und Kleinschreibung, die Laut-Buchstaben-Zuordnung (Beipiel: Stängel) oder die Bindestrich-Schreibungen betreffen, werden sie in der Schule nicht nur markiert, sondern auch als Fehler bewertet.

Weiterhin nicht bewertet werden Fehler in Bereichen, über die der Rat für deutsche Rechtschreibung und die staatlichen Institutionen noch abschließend befinden müssen: bei der Silbentrennung, der Zeichensetzung – und der Getrennt- und Zusammenschreibung. Hier vollzog der Rat nach seiner Sitzung am Freitag in München einen „epochalen Schritt“, sagte der Vorsitzende Hans Zehetmair. Wie sich schon beim Treffen im April abgezeichnet hatte, empfiehlt das 36-köpfige Expertengremium die Rücknahme einiger Reformschreibweisen. So sollen Verbindungen mit Verben ausschließlich zusammengeschrieben werden, wenn es der semantischen Bedeutung entspricht. So soll es statt „Eis laufen“ oder „Leid tun“ nur noch „eislaufen“ und „leidtun“ heißen. Dasselbe gilt für Verbindungen mit Adjektiven wie „heiligsprechen“ oder „krankschreiben“.

Mehr Varianten als bisher schlägt der Rat für Verbindungen von Verb und Verb vor. Zusammen oder getrennt geschrieben werden könne bei Kombinationen mit bleiben und lassen (sitzenbleiben, sitzen bleiben) oder auch – als Sonderfall – „kennenlernen“ oder „kennen lernen“. Varianten soll es auch bei resultativen Prädikaten geben (blankputzen, blank putzen; kaputtmachen, kaputt machen).

Dass zunächst nur die unstrittigen Teile der Reform verbindlich werden, hatte die KMK bereits im April angekündigt. Wurde der Rat damit unter Druck gesetzt? KMK-Präsidentin Johanna Wanka betonte, man sei „ sensibel vorgegangen“, habe die Reform aber zum Abschluss bringen wollen. Die Geschäftsführerin des Rats, Kerstin Güthert, sagte, die Prioritätenliste der KMK sei im Dezember 2004 von den Ratsmitgliedern einvernehmlich akzeptiert worden. Danach sollte vorrangig über Getrennt- und Zusammenschreibung, Silbentrennung und Zeichensetzung entschieden werden. Die Groß- und Kleinschreibung sei kein Thema gewesen – bis auf Überschneidungen mit der Getrennt- und Zusammenschreibung.

Verbindlich wird die neue Rechtschreibung nur für Schüler und im Schriftverkehr der Behörden. An Zeitungsverlage, die an der alten Rechtschreibung festhalten, appellierte Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz allerdings, „ihre Verantwortung gegenüber den jungen Lesern wahrzunehmen und keine Verwirrung zu stiften“.

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