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Gewalt bei Demo in der Türkei : Polizei feuert Gummigeschosse auf LGBTI-Aktivisten in Istanbul

Bei einer Gay-Pride-Demo in Istanbul haben türkische Beamte Gummigeschosse und Tränengas gegen dutzende LGBTI-Aktivisten eingesetzt. Der Marsch war zuvor unter Vorgabe von Sicherheitsbedenken untersagt worden.

Brutales Vorgehen: Ein Polizist in Zivil (r.) tritt einen der Demonstranten.
Brutales Vorgehen: Ein Polizist in Zivil (r.) tritt einen der Demonstranten.Foto: AFP/Bulent Kilic

Bei einer von den türkischen Behörden untersagten Gay-Pride-Parade in Istanbul hat die Polizei Gummigeschosse auf dutzende Teilnehmer abgefeuert und vereinzelt Tränengas eingesetzt. Die Beamten wollten die etwa 40 Aktivisten auf dem zentralen Taksim-Platz damit am Sonntag an der Fortsetzung ihres Marsches hindern, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete - offenbar mit Erfolg. Mehrere Menschen, die trotz des Verbots Slogans skandierten, wurden laut der Nachrichtenagentur dpa festgenommen. Die Organisatoren bezifferten die Gesamtzahl der Festnahmen am Sonntagabend via Twitter auf mehr als 20.

Der Istanbuler Provinzgouverneur hatte die Gay-Pride-Parade am Samstag mit der Begründung verboten, die Demonstration für die Selbstbestimmungsrechte sexueller Minderheiten (LGBTI) gefährde "die Sicherheit von Touristen und die öffentliche Ordnung".

Die Aktivisten hatten dennoch angekündigt, sich gegen Abend im Zentrum Istanbuls zu versammeln. Die Polizei sperrte daraufhin die zentrale Einkaufsstraße Istiklal am Sonntag großräumig ab und blockierte die Seitenstraßen mit Barrikaden und Fahrzeugen. Aktivisten berichteten der dpa, sie seien aufgehalten worden, weil sie Regenbogen-T-Shirts trugen. Die Regenbogenfahne ist ein Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Tränengas und Gummigeschosse sind nichts Neues

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigte sich "tief beunruhigt" und rief die Türkei auf, das Verbot aufzuheben. Statt die Parade von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender zu verbieten, solle der Staat die Parade schützen. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) erklärte, das Verbot der türkischen Behörden sei "ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention".

In diesem Jahr fiel die Parade mit dem großen Fastenbrechen zum Abschluss des islamischen Ramadan-Monats zusammen. In sozialen Netzwerken machten türkische Nationalisten und Rechtsextremisten Stimmung gegen die Demonstration. In der Türkei herrscht seit dem gescheiterten Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juli der Ausnahmezustand.

Schon 2015 und 2016 hatten die Behörden die Gay Pride in Istanbul verboten. Im vergangenen Jahr trotzten bereits über 150 Menschen dem Verbot. Die Polizei ging damals mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor und konfiszierte Regenbogenfahnen der Aktivisten. Die mehrheitlich muslimische Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der Region, in denen Homosexualität nicht verboten ist. Allerdings kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Schwule, Lesben, Bi- oder Transsexuelle. (AFP, dpa)

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