Gewalt im Kinderheim : Ehemalige Heimkinder erheben Vorwürfe gegen Bischof Mixa

Ein neuer Fall von Misshandlung - oder eine Rufmord-Kampagne? Bischof Walter Mixa soll in seiner Zeit als Stadtpfarrer Heimkinder mit der Faust und einem Teppichklopfer geschlagen haben. Das Bistum Augsburg nennt die Vorwürfe "absurd".

Bischof Walter Mixa
Bischof Walter Mixa. -Foto: ddp

AugsburgFünf ehemalige Heimkinder haben laut einem Zeitungsbericht Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa erhoben. In eidesstattlichen Erklärungen behaupten die drei Frauen und zwei Männer, Mixa habe sie in den siebziger und achtziger Jahren im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef im bayerischen Schrobenhausen mehrmals geschlagen.

Laut Süddeutscher Zeitung (SZ) berichten die ehemaligen Heimkinder von Ohrfeigen, Fausthieben gegen den Oberarm sowie zahlreichen Schlägen auf das Gesäß mit Teppichklopfer und Stock. Walter Mixa war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen und habe regelmäßig die Mallersdorfer Schwestern besucht, die das Kinderheim damals leiteten. Nach den Berichten der ehemaligen Heimkinder drohten die Schwestern mit dem Besuch des Stadtpfarrers. Die Erziehung der Kinder im Heim gehört allerdings nicht zu dessen Aufgabe, bestätigte der heutige Stadtpfarrer Josef Beyrer der SZ.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Prügelstrafe für Kinder im Jahr 1973 abgeschafft. Das Bayerische Oberste Landesgericht erklärte noch 1979, dass "im Gebiet des Freistaates Bayern ein gewohnheitsrechtliches Züchtigungsrecht" besteht. 1980 wurde die Prügelstrafe an Schulen auch in Bayern abgeschafft.

Auch die Nonnen des Kinderheims sollen die Kinder geschlagen haben, "mit Holzbesen, Holzpantoffeln und Kleiderbügeln", wie die heute 41 bis 47 Jahre alten Personen berichten. Der Orden der Mallersdorfer Schwestern gab an, zum ersten Mal von diesen Vorwürfen zu hören, kündigte aber einen offenen Umgang damit sowie eine gemeinsame Aufarbeitung mit den Betroffenen an.

Das Bistum Augsburg hingegen dementierte "entschieden" die Anschuldigungen und "behält sich ausdrücklich zivilrechtliche und strafrechtliche Schritte" vor. Die Vorwürfe bezeichnete das Bistum als "absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den Bischof persönlich zu diffamieren". Bischof Mixa habe zu keinem Zeitpunkt in keiner Funktion Kinder misshandelt, sagte die Sprecherin des Augsburger Ordinariats, Kathi Marie Ulrich.

Im Zusammenhang mit den Enthüllungen über den jahrelangen Missbrauch von Schülern an deutschen Jesuitenschulen war Bischof Mixa einer der ersten, die sich aus den Reihen der Kirche zu Wort gemeldet hatten. Der für seine provokanten Thesen bekannte Bischof Mixa sagte, die "sogenannte sexuelle Revolution" sei an derartigen Entwicklungen "sicher nicht unschuldig". Ihm war daraufhin Kritik entgegengeschlagen; Grünen-Chefin Claudia Roth hatte die Äußerungen als "haarsträubend" und als eine "beispiellose Verhöhnung der Opfer sexuellen Missbrauchs" bezeichnet.

Auf heftige Ablehnung stießen Mixas Äußerungen auch beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Deren Vizepräsidentin Karin Kortmann warf ihm vor, ihm fehle anscheinend der "Realitätssinn".

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP

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