Gewalt im Libanon : Siniora fordert härteres Durchgreifen der Armee

Als "vergifteten Stich" für die Demokratie wertet der libanesische Premier Siniora die blutigen Gefechte zwischen Hisbollah und Regierungstreuen. Erstmals seit Beginn der Unruhen wendet er sich an sein Volk. Die Kämpfe gehen aber weiter.

BeirutDer libanesische Regierungschef Fuad Siniora hat sich in einer kämpferischen  Rede an seine Landsleute gewandt. Der Staat werde der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz nicht unterliegen, versicherte er in der Fernsehansprache.

Die Streitkräfte forderte Siniora auf, die Sicherheit im Land zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass die bewaffneten Kämpfer "sofort" aus den Straßen abziehen.



Das libanesische Volk werde eine Rückkehr von "Hegemonie und Terrorismus" nicht zulassen.

"Dem Traum von der Demokratie ... ist ein vergifteter Stich" versetzt worden, sagte Siniora mit Blick auf die jüngsten Kämpfe in Beirut, bei denen die Hisbollah mehrere westliche Stadtteile erobert hatte. Es war das erste Mal, dass sich der pro-westliche Regierungschef seit Beginn der Gefechte am Donnerstag äußerte.

Schüsse auf Trauergemeinde

Zuvor war die die Gewalt in der Hauptstadt Beirut neu aufgeflammt. Mindestens fünf Teilnehmer einer Trauerprozession wurden getötet, als Bewaffnete von einem Dach aus in die Menge feuerten. Etwa 35 Menschen seien verletzt worden, berichteten Augenzeugen. Unmittelbar nach dem Angriff tauchten wieder Bewaffnete in den Straßen Beiruts auf, Soldaten versuchten, sunnitische Gebiete abzuriegeln.

Bei blutigen Zusammenstößen sind binnen weniger Tage mehr als 20 Menschen im Libanon getötet und Dutzende verletzt worden. Am Freitag hatten Kämpfer der pro-iranischen Hisbollah und der schiitischen Amal-Bewegung mehrere Viertel im Zentrum Beiruts unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gefechte waren am Donnerstag ausgebrochen, nachdem Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah erklärt hatte, die pro-westliche Regierungsmehrheit von Premierminister Siniora habe der Opposition "den Krieg erklärt". Hintergrund war eine Entscheidung der Regierung, das verzweigte private Kommunikationsnetz der Hisbollah zu überprüfen. (sf/AFP/dpa)

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