• Gewalt in Nahost: Die lebende Provokation: Warum Ariel Scharon den Palästinensern verhasst ist

Politik : Gewalt in Nahost: Die lebende Provokation: Warum Ariel Scharon den Palästinensern verhasst ist

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Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Teufel. "König von Israel" oder "Falke der Falken" und "rechter Bulldozer": Ariel Scharon entzweit, wo Versöhnung nötig wäre. In den Kriegen Israels war "Arik" immer in der vordersten Front, kühn, tollkühn. Er hat zu siegen verstanden - aber bisher nicht, den Frieden zu gewinnen.

Das Abkommen von Camp David im September 1978, als sich Menachem Begin und Anwar el Sadat die Hand reichten und den Frieden besiegelten, hat Scharon abgelehnt, vehement. Bis heute verweigert er Jassir Arafat den Handschlag. Der frühere General war Militärberater und mehrmals Minister, für Landwirtschaft, Bau, Handel und Industrie, ohne Portefeuille, Nationale Infrastruktur samt Siedlungsbau, Verteidigung, Auswärtiges ... Immer war er umstritten. Ihm haftet an, was der umsichtige US-Außenminister James Baker 1991 sagte: "Stoppen Sie diesen Mann!"

1976 hat Scharon eine ultrarechte Gruppe gegründet, die bei den Wahlen zwei, nur zwei Mandate errang; aber er wollte nie eine Abstimmung verlieren. Heute führt er den Likud-Block, die Opposition gegen Regierungschef Ehud Barak, auch der ein Ex-General.

Arik Scharon hat Sendungsbewusstsein. Und man darf wohl sagen: Er geht dafür über Leichen. Unvergessen ist das Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Chatila im September 1982. Unter den Augen des israelischen Militärs 800 Todesopfer durch libanesische Falangisten - und Scharon wurde eine "Mitverantwortung" nachgewiesen. Seither ist er für die PLO die lebende Provokation. Wo immer er auftaucht.

Im Alter, mit 72 Jahren, lässt er ein wenig Sinn für die Realitäten erkennen. Im letzten Jahr meinte Scharon, die Selbstverwaltung der Palästinenser werde früher oder später zur Gründung eines eigenen Staates führen, was aber nur nach Abstimmung mit Israel geschehen dürfe. Scharon wird dagegen wohl weiter kämpfen: "Warrior", Krieger, hat er seine Autobiografie überschrieben. Er muss eben noch lernen, den Frieden zu gewinnen.

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