• Gewalt in Nahost: Zeit der Wahrheit - Wie schwierig es ist, Barak und Arafat zum Frieden zu verpflichten

Politik : Gewalt in Nahost: Zeit der Wahrheit - Wie schwierig es ist, Barak und Arafat zum Frieden zu verpflichten

Eric Bonse

Zeit Der Diplomatie. Nach den schwersten Unruhen seit Jahren in den Palästinenser-Gebieten, hoffen die USA, die Vereinten Nationen und die Europäische Union (EU) darauf, dass Jassir Arafat und Ehud Barak sich wieder an den Verhandlungstisch setzen. Gemeinsam. Zeit der Diplomatie heißt im Fall des Palästinenserchefs und des israelischen Premiers aber immer auch Verwirrung, Ungewissheit, Taktik. So war es auch am Mittwoch beim Gipfeltreffen in Paris. Die entscheidende Frage lautete: Schafft es US-Außenministerin Madeleine Albright, dass sich Arafat und Barak mit ihr an einen Tisch setzen. Erst hieß es ja, wie die israelische Seite verlauten ließ. Dann hieß es nein, hörte man aus der palästinensischen Ecke. Schließlich äußerte sich Arafat am Nachmittag selbst und sagte zur Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist noch nichts entschieden. Die Entscheidung liegt jetzt bei der israelischen Seite." Auch das war diplomatisch. Und am Abend war es dann tatsächlich soweit.

Zuvor hatte Frankreichs Staatschef Chirac Israelis und Palästinenser aufgefordert, "die schwierigen, mutigen, aber nötigen Entscheidungen zu treffen", um eine Eskalation der Gewalt zu verhindern. Eine Stunde sprachen Barak und Chirac im Pariser Elysée-Palast mit einander. Danach zeigte sich Chirac verhalten optimistisch, dass der Friedensprozess im Nahen Osten gerettet werden könne. "Alle Bemühungen Frankreichs - ich betone: alle - zielen darauf ab, den Weg des Friedens wiederzufinden", sagte Präsidentensprecherin Catherine Colonna.

Immerhin Zweckoptimismus also. Doch mehr war auch noch nicht zu erwarten. Denn noch am Morgen deutete alles auf ein Scheitern der Pariser Gespräche hin. Das hatte seinen Grund: Arafat hatte im Gespräch mit Chirac drei Bedingungen für ein Treffen mit Barak gestellt: Die Israelis müssten das Feuer einstellen, die schweren Waffen aus den palästinensischen Gebieten abziehen und einer Untersuchungskommission zustimmen, forderte Arafat. Die Kommission solle mit Israelis, Palästinensern, Amerikanern und Europäern besetzt werden und den Ursachen für die Gewaltexplosion der letzten Tage nachgehen, der vor allem Palästinenser zum Opfer gefallen waren.

Als Regierungschef Barak um 13.40 Uhr vor die Journalisten im Elysée-Palast trat, ging er mit keinem Wort auf die Forderungen Arafats ein. Auch das gehört zur israelisch-palästinensischen Diplomatie. Barak stellte nun seinerseits Bedingungen: Arafat müsse der Gewalt ein Ende machen, über deren Drahtzieher auf palästinensischer Seite "kein Zweifel" bestehe. Israel übe sich lediglich in "Selbstverteidigung" und sei jederzeit bereit, die Waffen zum Schweigen zu bringen.

Aber natürlich deutete Barak auch ein Entgegenkommen an: Er sei bereit, auf den amerikanischen Vorschlag einzugehen, dass jede Seite - Israelis und Palästinenser - die Ursachen für die Eskalation der Gewalt untersucht und nach Lösungen für die Zukunft sucht. "Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen", sagte Barak. Sollte in Paris keine Einigung gefunden werden, drohe dem Friedensprozess im Nahen Osten "der Stillstand, wenn nicht sogar eine Eskalation". Diplomatie ist gefragt.

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