Gewalt : Neuerliche Krawalle erschüttern Paris

Im Pariser Vorort Villiers-Le-Bel sind die Sicherheitskräfte wie letzte Nacht von einem wütenden Mob angegriffen worden. Mindestens acht Polizisten wurden verletzt.

Paris
Mehrere 100 wütende Jugendliche hatten in der vorigen Nacht Fahrzeuge in Brand gesetzt und zwei Polizeistationen verwüstet. -Foto: AFP

Die Krawalle in Pariser Vorstädten nach dem Tod zweier Jugendlicher haben sich am Abend ausgeweitet. In vier Vorstädten von Paris zündeten Jugendliche Autos an und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Das teilte die zuständige Präfektur mit. Alleine in Villiers-Le-Bel seien zehn Autos sowie zahlreiche Mülltonnen in Flammen aufgegangen. Mindestens acht Polizisten wurden verletzt; laut Nachrichtenagentur AFP allesamt durch Schrotkugeln. Bis zu drei Polizisten seien demnach ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die Krawalle hatten sich dort am Vorabend am Tod zweier jugendlicher Kraftradfahrer entzündet, die mit einem Streifenwagen kollidiert waren.

Dutzende Jugendliche griffen am Montag mit Wurfgeschossen und Flaschen die Polizei an, die Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Barrikaden gingen in Flammen auf. "Wir haben gehört, sie wollen das Rathaus abbrennen", sagte ein Einwohner. "Wir haben Angst um unsere Autos." Ein Mann erklärte, das Einwandererviertel sei eine heiße Zone. "Wir sind hier schon nicht mehr in Frankreich."

Die Unruhen griffen auf weitere Städte des Départements Val d'Oise nördlich von Paris über. "Es sieht nach einer langen Nacht aus", so Bürgermeister Didier Vaillant. Die Szenerie erinnerte an die wochenlangen Jugendkrawalle in Einwanderervierteln vor zwei Jahren. Auch damals war der Tod zweier Jugendlicher der Auslöser.

Auf seiner China-Reise rief Präsident Nicolas Sarkozy dazu auf, "sich zu beruhigen". Die Justiz müsse zügig klären, wer für den Unfall verantwortlich ist, bei dem am Wochenende zwei Jugendliche ums Leben kamen.

Am Vorabend waren in Villiers-Le-Bel 28 Autos in Flammen aufgegangen und 40 Beamte verletzt worden. Die örtliche Polizeiwache brannte aus, die des Nachbarortes Arnouville wurde verwüstet. Zwei Autowerkstätten und eine McDonald's-Filiale sowie zwei Geschäfte wurden angezündet. Es gab neun Festnahmen.

Gegen Polizisten wird ermittelt

Gegen die am Unfall beteiligten Beamten wird routinemäßig wegen fahrlässiger Tötung sowie wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Innenministerin Michèle Alliot-Marie forderte die volle Aufklärung des Unfallhergangs. Die Hinterbliebenen der Jugendlichen riefen zur Ruhe auf. Am Nachmittag gab es einen Schweigemarsch in der Nähe des Unfallortes.

Die Polizeiinspektion geht davon aus, dass die 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen auf dem nicht zugelassenen Kleinkraftrad zu schnell gefahren sind und die Vorfahrt des Polizeifahrzeugs nicht beachteten. Angeblich soll das Motorrad gestohlen gewesen sein und die Jugendlichen ohne Helm unterwegs. Der Streifenwagen sei ohne Blaulicht normal unterwegs gewesen. Einwohner von Villiers-Le-Bel bezweifeln diese Version. (mit dpa)

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