Gewaltspirale in Italien : Rumänen in Rom angegriffen - Vergeltungsschlag?

Gerade erst hat die italienische Regierung ein Dekret verabschiedet, nach dem kriminelle EU-Bürger sofort ausgewiesen werden können. Jetzt droht eine Eskalation - mit Vergeltungsschlägen und Selbstjustiz.

RomNach einem tödlichen Überfall auf eine Italienerin haben Vermummte in Rom nun mit Schlagstöcken und Messern drei Rumänen attackiert. Bei dem Angriff wurde am Freitagabend einer der Rumänen schwer verletzt, berichtete die Polizei. Die Behörden gingen von einem Vergeltungsschlag für den Tod einer 47-jährigen Italienerin aus, die überfallen, misshandelt und tödlich verletzt worden war. Dringend tatverdächtig ist ein junger Rumäne. In Italien wächst jetzt die Angst vor zunehmenden ausländerfeindlichen Übergriffen.

Die drei Rumänen wurden von sieben bis acht Männern auf einem Parkplatz in der italienischen Hauptstadt angegriffen: "Das hatten wir befürchtet", zitierte die Zeitung "La Repubblica" den Präfekten Carlo Mosca. "Es scheint eine geplante Aktion gewesen zu sein." In den vergangenen Tagen habe sich ein Klima des Hasses entwickelt.

Werte des zivilen Zusammenlebens stehen auf dem Spiel

Mosca warnte: "Niemand darf Selbstjustiz üben, wer auf diese Weise gegen das Gesetz verstößt wird festgenommen und angezeigt." Der römische Bürgermeister Walter Veltroni richtete einen Appell an die Bürger, die Werte des zivilen Zusammenlebens nicht zu vergessen. Mehrere Politiker betonten, dass Gewalt mit Gesetzen und nicht mit Rassismus bekämpft werden müsse.

Nach dem Überfall auf die Frau hatte die italienische Regierung als sofortige Reaktion ein Dekret verabschiedet, nach dem kriminelle EU-Bürger ab sofort aus Italien ausgewiesen werden können. Das Opfer wird heute in Rom beigesetzt, an der Trauerfeier nehmen mehrere Spitzenpolitiker teil. Gleichzeitig begannen Polizeieinheiten damit, eine Barackensiedlung von Sinti und Roma zu räumen, in der der tatverdächtige Rumäne lebte. (mit dpa)

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