Politik : Gewerkschaft: Kliniken fehlen 162 000 Stellen

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Berlin - Für eine gute Patientenversorgung und ordnungsgemäße Arbeitsbedingungen fehlen in Deutschlands Krankenhäusern 162 000 Vollzeitstellen. Dies behauptet die Gewerkschaft Verdi nach einer aktuellen Stichprobe unter 200 Kliniken. Allein im Pflegesektor fehlten derzeit 70 000 Vollzeitkräfte, sagte Ellen Paschke vom Verdi-Bundesvorstand am Mittwoch. Seit 1997 seien im Pflegebereich 50 000 Stellen abgebaut worden. Inzwischen gefährde der dramatische Mangel die Genesung der Patienten ebenso wie die Gesundheit der Beschäftigten.

Die Gewerkschaftszahlen liegen weit über denen, die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft publik gemacht werden. Dem Verband zufolge fehlten an den mehr als 2000 Kliniken bei der letzten Erhebung im Frühjahr 2011 nur rund 3000 Pflegekräfte. Allerdings bezieht sich diese Zahl allein auf die ausgeschriebenen Stellen, die nicht besetzt werden konnten. Ihr Anteil habe sich im Vergleich zu 2009 mehr als verdoppelt.

Arbeitsbedingungen und Auslastung der Beschäftigten blieben in diesen Statistiken so unberücksichtigt wie das Wohlergehen der Patienten, monierte Paschke. Die Versorgung dürfe sich aber nicht an rein marktwirtschaftlichen Maßstäben bemessen. Vielerorts habe die Arbeitsbelastung „jegliches vertretbare Maß überschritten“. Der „Wettbewerb um immer geringeren Personaleinsatz und die niedrigste Fachkräftequote“ müsse beendet werden. Die Zitrone sei „mehr als ausgequetscht“ und der nächste Skandal nur „eine Frage der Zeit“, sagte der Linken- Abgeordnete Harald Weinberg. Das Gesundheitsministerium dementierte derweil Meldungen, wonach es für die Kliniken noch in diesem Jahr 500 Millionen Euro mehr geben soll. Die Koalition warte erst auf ein Gutachten von Krankenhäusern und Kassen. Rainer Woratschka

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