Politik : Gewerkschafter rufen offen zur Abwahl der Bundesregierung auf

Hunderttausende bei Mai-Kundgebungen / Schulte fordert Bündnis für Arbeit / Blüm wirft DGB Wahlkampfhilfe vor HAMBURG/MÜNCHEN/BERLIN (dpa/AP).Knapp fünf Monate vor der Bundestagswahl haben führende Gewerkschafter am Tag der Arbeit zu einem Kurswechsel in der Bundespolitik aufgerufen.Die Vorsitzenden der ÖTV und IG Metall, Mai und Zwickel, riefen zur Abwahl der Bonner Koalition auf."Diese Regierung muß weg", verlangte Mai.DGB-Chef Schulte forderte ein neues Bündnis für Arbeit.SPD-Kanzlerkandidat Schröder sagte, dies werde das wichtigste Vorhaben einer SPD-Regierung sein.Nach Ansicht des Berliner DGB-Landesvorsitzenden Scholz ist die Bonner Beschäftigungspolitik gescheitert.Bei rund 500 Veranstaltungen demonstrierten zum 1.Mai Hundertausende - laut DGB eine halbe Million Menschen - unter dem Motto "Arbeit und soziale Gerechtigkeit".Bei der zentralen DGB-Kundgebung in München machte Schulte die Bundesregierung für massiven Sozialabbau und eine Finanzpolitik auf Kosten der Arbeitnehmer verantwortlich.Die Koalition habe das Geld für eine aktive Beschäftigungspolitik aus den öffentlichen Kassen in die Taschen der Reichen umverteilt.Die Schaffung von 400 000 Arbeitsplätzen in den nächsten Monaten sei möglich, falls die Hälfte der Überstunden abgebaut würde."Wir werden und wir wollen weder die Politik noch die Wirtschaft aus ihrer Verantwortung für Arbeit und Ausbildung entlassen", sagte Schulte.Schulte betonte die Unabhängigkeit des DGB von den politischen Parteien.SPD-Kanzlerkandidat Schröder versprach im westfälischen Bergkamen, die Interessen der Arbeitnehmer wieder in den Mittelpunkt der Politik zu stellen.Das wichtigste Vorhaben einer SPD-geführten Bundesregierung werde ein neues Bündnis für Arbeit sein.Ziel sei es, den vielen entmutigten Menschen in Deutschland neue Arbeits- und Ausbildungsplätze anzubieten und eine neue Lebensperspektive zu verschaffen."Nur dies bietet die Gewähr, daß die deutsche Demokratie nicht von rechts gefährdet wird".Mai erklärte in Dortmund, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sei mit der Bonner Koalition nicht zu gewinnen.Zwickel sagte in Ingolstadt, die derzeitige Regierung habe "weder die Ideen noch die Kraft, Deutschland ins nächste Jahrhundert zu führen".Kanzleramtschef Bohl (CDU) beschuldigte die Gewerkschaften, "unverantwortlich die Ängste der Bevölkerung zu schüren".Bundesarbeitsminister Blüm (CDU) sagte, der DGB lasse sich "zum Transmissionsriemen der SPD degradieren".Der 1.Mai wurde weltweit begangen.In Moskau gingen insgesamt 30 000 Menschen auf die Straße.In Südkorea kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei.

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