Politik : Gewissensfrage

Markus Feldenkirchen

Wie hältst du’s mit dem lieben Gott? Alle vier Jahre müssen die Regierenden der Republik ihr öffentliches Glaubensbekenntnis ablegen. Dann warten die Konservativen und die Kirchen gespannt auf den Moment, in dem der Kanzler und seine Minister ihren Eid auf die Verfassung ablegen. Sie warten darauf, ob die Regierenden bei ihrer Arbeit auf Gottes Hilfe bauen oder lieber auf sich selbst vertrauen wollen: Die berühmten Worte „So wahr mir Gott helfe“ können an den Schwur angehängt werden oder nicht. Als Gerhard Schröder am Dienstag um 14 Uhr 30 seinen Eid auf die Verfassung schwor, verzichtete er erneut auf den religiösen Zusatz. Das hatte er schon 1998 getan – damals eine Premiere in der Bundesrepublik, für die Schröder zum Teil heftig kritisiert worden war. Vor vier Jahren sprachen nur acht der 14 Minister die heilige Formel.

Dieses Mal waren es wieder acht. Aber die Christen-Quote im Kabinett hat sich dennoch verbessert, weil der neuen Regierung nur noch 13 Minister angehören. Für eine große Überraschung sorgte allein der konfessionslose Innenminister Otto Schily, der, anders als 1998, den Herrgott in seinen Schwur integrierte. Bislang hatte er stets die Ansicht vertreten, der persönliche Glaube habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Außer Schily wählten auch Hans Eichel, Wolfgang Clement, Peter Struck, Renate und Ulla Schmidt, Manfred Stolpe und Heidemarie Wieczorek-Zeul den Zusatz „So wahr mir Gott helfe“. Der neuen Regierung gehören sieben Protestanten, vier Konfessionslose und drei Katholiken an. Der Kanzler gehört vom Papier her zur evangelischen Mehrheit. In einem Interview gestand er vor kurzem jedoch, in Glaubensfragen ein suchender Mensch zu sein.

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