Politik : Gift auf ihrer Haut

Gefährliche Substanzen in Pakistans Hochwasser

Er war als einer der ersten Helfer bei den Flutopfern in Pakistan. Dort hat der Tübinger Katastrophenmediziner Bernd Domres (72) mit zwei Begleitern in knapp 14 Tagen 1124 Patienten betreut. Dabei sind dem Experten auch ungewöhnlich viele allergische Hautreaktionen aufgefallen. „Die Flutopfer leben in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet“, gibt der gelernte Chirurg im Gespräch mit dem Tagesspiegel zu bedenken. Seiner Ansicht nach sollte das Wasser, das die Menschen dort jetzt zum Waschen und Trinken verwenden, aber ebenso als Toilette nutzen, auf die Rückstände von Insektiziden und Dünger getestet werden. „Das kann man messen.“ Diese Organophosphate enthielten oft die Muttersubstanz für Sarin und E 605. Wer über längere Zeit kleinen Dosen dieser Gifte ausgesetzt sei, dem drohe eine chronische neurologische Erkrankung. Im Rückenmark würden in diesen Fällen Zellen abgetragen, das könne zur Lähmung von Muskeln und Atmung führen, warnt der Mediziner, der in einer Gemeinschaftsaktion der Hilfsorganisation Humedica und der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in Tübingen in Pakistan war.

In wenigen Tagen will Domres bereits wieder ins Flutgebiet reisen. „Ganz wichtig wäre es jetzt auch, Traumaspezialisten dort hinzuschicken.“ Dafür seien Fachleute nötig, die Zeit mitbrächten und die Sprache könnten, „Psychopharmaka eher nicht“. Beeindruckt hat den Mann, der im Januar auch nach dem Beben in Haiti geholfen hat, dass viele Pakistaner jetzt versuchen, schwimmen zu lernen, denn das könne die Hälfte der Menschen dort nicht. „Sie binden sich Plastikflaschen um den Körper und versuchen so, sich das Schwimmen selbst beizubringen.“ Gerührt hat den Arzt auch, als Patienten nach einigen Tagen kamen, um sich mit den Worten zu bedanken: „Ihr seid wie Muslims, Allah schütze euch.“ mue

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