Gift-Tod : Moskau bestreitet führende Position Litwinenkos

Laut Verteidigungsminister Iwanow hat der vergiftete Ex-Spion Litwinenko keine hohe Position im Geheimdienst FSB inne gehabt und auch nicht über geheime Informationen verfügt. Scotland Yard begann derweil Ermittlungen in Moskau.

Athen/Moskau - Der an einer radioaktiven Vergiftung gestorbene russische Ex-Agent Alexander Litwinenko hatte nach den Worten von Verteidigungsminister Sergej Iwanow in der Geheimdiensthierarchie keine wichtige Position inne. Vermutungen, denen zufolge Litwinenko beim Geheimdienst FSB ein ranghoher Agent mit Zugang zu wichtigen Informationen war, entsprächen nicht der Realität, sagte Iwanow der Zeitung "Eleftherothypia" während eines Besuchs in Athen. Litwinenko sei in einer für das organisierte Verbrechen zuständigen Abteilung tätig gewesen. Diese habe ihre Mitarbeiter "von überall her" rekrutiert.

In Moskau nahmen unterdessen Beamte der Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard ihre Ermittlungen zum Tod Litwinenkos auf. Die Polizisten würden so lange bleiben, bis der auf die russische Hauptstadt bezogene Teil der Untersuchung abgeschlossen sei, sagte ein Sprecher der britischen Botschaft in Moskau. Nach britischen Medienberichten wollen die Beamten mit drei Geschäftsleuten sprechen, die Litwinenko am Tag seiner Vergiftung in einem Londoner Hotel trafen. Einer von ihnen, der Geschäftsmann und ehemalige KGB-Agent Andrej Lugowoj, befand sich nach einem Bericht der Zeitung "Kommersant" jedoch zur Untersuchung im Krankenhaus.

Auch der ehemalige Geheimagent Michail Trepaschkin, der zur Zeit eine vierjährige Haftstrafe wegen Geheimnisverrats verbüßt, will nach Angaben seiner Anwältin mit den britischen Beamten sprechen. Dies wurde von der Gefängnisbehörde bislang jedoch nicht erlaubt. Trepaschkin hatte Litwinenko nach eigenen Angaben vor einem geplanten Mordanschlag der Geheimdienste gewarnt. Der Kreml-Kritiker war am 23. November in einem Londoner Krankenhaus gestorben. In seinem Urin war das radioaktive Polonium 210 gefunden worden. Sein Vater macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Tod verantwortlich. (tso/AFP)

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