Giftanschlag : Hamburger Polizei ermittelt in Sachen Litwinenko

In die Ermittlungen zum Fall des unter mysteriösen Umständen gestorbenen russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko haben sich deutsche Behörden eingeschaltet.

Hamburg - Die Hamburger Polizei wollte am Freitagabend gemeinsam mit Spezialisten des Bundeskriminalamtes die mutmaßliche Wohnung von Litwinenkos Kontaktmann Dimitri Kowtun in der Hanse-Stadt durchsuchen und auf mögliche Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 überprüfen. Ein Polizeisprecher sagte, die Wohnung befinde sich in einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Altona. Personen, die Kontakt zu Kowtun hatten, wurden gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Bürgertelefon eingerichtet

Die Polizei überprüfte nach eigenen Angaben mögliche weitere Aufenthaltsorte und Kontaktpersonen Kowtuns. Für Anfragen wurde in der Behörde für Inneres ein Bürgertelefon eingerichtet. An den Ermittlungen waren auch Spezialisten des Bundeskriminalamtes beteiligt.

Litwinenko war am 23. November in London gestorben. In seinem Körper wurden Spuren von Polonium 210 gefunden. Kowtun befindet sich derzeit in einem Moskauer Krankenhaus. Er wurde russischen Medienberichten zufolge wie Litvinenko mit Polonium 210 radioaktiv vergiftet. Sein Gesundheitszustand sei ernst.

Lugowoi in Moskau unter Beobachtung

Der frühere russische Geheimdienstagent und Unternehmer Kowtun hatte am 1. November in einer Londoner Hotelbar Litwinenko getroffen, der kurze Zeit später erste Vergiftungssymptome zeigte. An dem Treffen nahm auch der Ex-Spion Andrej Lugowoi teil, der derzeit in Moskau ebenfalls unter medizinischer Beobachtung steht.

Lugowoi gilt als Schlüsselfigur im Fall Litwinenko und wird von britischen Ermittlern, die sich seit Montag in Moskau aufhalten, unter der Hand als Hauptverdächtiger angesehen. Lugowois ursprünglich für Freitag geplante Befragung durch Scotland Yard fand nicht statt. In Geheimdienstkreisen wurde vermutet, dass Lugowoi von den russischen Behörden abgeschirmt wurde.

Gemeinsam an der Militärakademie

Lugowoi und Kowtun betreiben am Stadtrand von Moskau ein Sicherheitsunternehmen. Früher waren sie Kommilitonen von Litvinenko an der sowjetischen Militärakademie in Moskau. Lugowoi stand später in Diensten des Oligarchen und Industriemagnaten Boris Beresowski. Der entschiedene Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin lebt heute in London. Er deutete an, dass sein früherer Leibwächter Lugowoi "ins Kreml-Lager zurückgekehrt sein" könne.

Die Nummer des Bürgertelefons in Hamburg: 040-42886550. Personen, die Kontakt zu Kowtun hatten, sollen sich unter der Telefonnummer 040-426765 melden. (tso/AFP)

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