Giganten unter sich : Chinas Staatschef Xi kam mit weißer Weste nach Indien

Nette Gesten prägten den Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Indien – doch die geopolitische Rivalität der beiden Weltmächte ist groß.

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Chinas Präsident Xi (links) trägt die traditionelle indische Weste - eine freundliche Geste gegenüber seinem Gastgeber, Indiens Premierminister Narendra Modi (rechts).
Chinas Präsident Xi (links) trägt die traditionelle indische Weste - eine freundliche Geste gegenüber seinem Gastgeber, Indiens ...Foto: imago stock&people

Zusammen repräsentieren sie 2,6 Milliarden Menschen und damit mehr als ein Drittel der Menschheit. Zusammen könnten sie die Weltgewichte verschieben und die Weltordnung neu prägen. Erstmals besuchte nun Chinas Präsident Xi Jinping Indiens neuen Regierungschef Narenda Modi, der vor drei Monaten triumphal die Wahlen gewonnen hatte. Es war der erste Besuch eines chinesischen Präsidenten in Indien seit acht Jahren.

Von einer „neuen Ära in den Beziehungen“ schwärmte Modi, während Xi bei seiner dreitägigen Visite vom Beginn eines „asiatischen Zeitalters“ sprach. „Wenn China und Indien mit einer Stimme sprechen, wird die Welt zuhören“, sagte Xi. Solche Töne lassen auch den Westen aufhorchen. Doch eine echte Allianz scheint Zukunftsmusik. Das Verhältnis der Nachbarn ist bisher alles andere als konfliktfrei.

Immer wieder gibt es Grenzverletzungen

Seit Jahrzehnten streiten sich Indien und China um den Verlauf ihrer 4000 Kilometer langen Grenze. 1962 führten sie sogar einen Grenzkrieg im Himalaya, den Indien verlor. Ausgerechnet zum Besuch Xi Jinpings flammte der Konflikt wieder auf. Wie indische Medien berichteten, sollen chinesische Soldaten in Ladakh etwa fünf Kilometer weit in indisches Territorium eingedrungen sein. Fernsehsender sprachen vom „schwerwiegendsten Vorfall seit Jahren“. Angeblich standen sich 1000 Soldaten beider Seiten an der Grenze gegenüber.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz bemühten sich Modi und Xi jedoch, den Konflikt herunterzuspielen und sicherten eine schnelle Lösung zu. Solche Scharmützel seien nichts Neues, wiegelte auch das indische Innenministerium ab. Allein in diesem Jahr sei die Grenze mehr als 330 Mal verletzt worden. Unklar blieb, was hinter dem jüngsten Zank steckt. Analysten glauben nicht, dass die Scharmützel die Gespräche gefährden. So kündigten Modi und Xi Jinping an, die Beziehungen zwischen beiden Ländern ausbauen zu wollen. Modi sprach von einer „historischen Chance“. „Wir haben entschieden, unsere Kooperation in allen denkbaren Bereichen zu erweitern.“ Xi lud Modi zu einem Gegenbesuch in China für Anfang 2015 ein.

Ein Krieg würde beiden Weltmächten nicht gut tun

Die beiden starken Männer Asiens wissen nur zu gut, dass sie sich einen Krieg nicht leisten können, wollen sie ihre Länder wirtschaftlich voranbringen. Modi ließ dem Gast einen ausgewählt warmen Empfang angedeihen. Er empfing Xi an seinem 64. Geburtstag in Ahmedabad, der Metropole seines Heimatstaates Gujarat. Wiederholt hatte Modi während seiner Zeit als Regierungschef Gujarats China besucht. Anders als die USA hatte Peking Modi nach den Massakern an Muslimen 2002 in Gujarat nicht mit einem Reisebann belegt wie die USA. Xi seinerseits zog als Geste des Respekts nicht nur eine traditionell indische Weste an, sondern kam mit milliardenschweren Präsenten im Gepäck. Beide Länder unterzeichneten zwölf Vereinbarungen, dabei sicherte China in den nächsten fünf Jahren Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 15,5 Milliarden Euro, in Indiens Infrastruktur zu. So will China zwei Industrieparks bauen und das veraltete Schienennetz Indiens ausbauen. China ist Indiens wichtigster Handelspartner. Das Handelsvolumen beider Länder beträgt 70 Milliarden Dollar, allerdings wuchs das Defizit aufseiten Indiens in den vergangenen zehn Jahren von einer auf 40 Milliarden Dollar. Xi sagte zu, dass Indien mehr Produkte, vor allem Medikamente, nach China exportieren dürfe.

Gleichwohl beäugt Indien zusehends verärgert die Expansionsgelüste des übermächtigen Nachbarn. Ehe Xi nach Indien flog, machte er auf den Malediven und Sri Lanka Halt und warb dort für eine neue maritime Seidenstraße. Beide Inselstaaten sieht Indien als seinen ureigenen Hinterhof an. Indische Zeitungen warnten bereits, Sri Lanka und die Malediven seien dabei, „Indiens rote Linie“ zu überschreiten, sollten sie weiter mit China anbandeln.

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