Politik : Gipfel der guten Laune

Bei Schröder, Blair und Chirac geht es betont locker zu – und der Kanzler nimmt den britischen Premier in Schutz

Hans Monath

Manchmal geht es auch auf höchster diplomatischer Ebene so locker zu wie beim Familiengeburtstag – zumindest zwischen so engen Partnern wie dem französischen Präsidenten und dem Bundeskanzler. Als Jacques Chirac am Samstagmorgen vor dem Kanzleramt aus seiner schwarzen Limousine steigt, breitet er beide Hände weit zur Begrüßung aus und ruft seinem Gastgeber Gerhard Schröder sehr vernehmbar auf Deutsch zu: „Hallo, da bin ich schon wieder.“

Zwei Tage bevor er zum Dreiergipfel mit Schröder und dem britischen Premier Tony Blair anreist, hat Chirac am gleichen Ort beim 81. deutsch-französischen Gipfel mit Schröder schon stundenlang konferiert. Und zumindest beim Empfang vor dem Kanzleramt unter strahlender Sonne demonstrieren alle drei Staatsmänner mit allen Mitteln der Körpersprache, dass sie sich gut verstehen, mit lautem Lachen, kräftigem Anfassen und lustigem Fingerzeigen vor den Kameras.

Auch wenn die Politiker dann nach mehr als zwei Stunden Verhandlungen zwar bedeutsame Fortschritte in europäischen Fragen, aber keinen Durchbruch im Streit um den Irak verkünden konnten, scheint Schröder mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Und seine Berater freuen sich darüber, dass es gelungen sei, die Basis für den Verhandlungsprozess des UN-Sicherheitsrats um eine neue Irak-Resolution zu verbreitern.

Als der Kanzler im Garten des Kanzleramtes zwischen Chirac und Blair selbst die Pressekonferenz moderiert und den Gästen abwechselnd das Wort erteilt, wirkt das wie ein Bild für die Vermittlerposition, in die er Deutschland im Ringen um die Resolution gebracht hat: Berlin ist viel kompromissbereiter als die Franzosen, die einen „echten und sofortigen Transfer der Autorität an die Irakis“ (Chirac) verlangen. Anders als die der Briten sind die Vorstellungen der Deutschen von der Zukunft des Iraks und der Rolle der UN aber so weit von den amerikanischen entfernt, dass sie wirkliche Zugeständnisse von George Bush verlangen können.

Offensichtlich beschwert sich Chirac auch nicht über ein „Abrücken“ Schröders von der gemeinsamen Linie. Ein „sehr, sehr freundschaftliches und entspanntes Gespräch“ sei es gewesen, berichten deutsche Teilnehmer. Und sind froh darüber, dass die Briten sowohl ihre Vorbehalte gegen die europäische Verteidigungsinitiative aufgegeben haben als auch der Wachstumsinitiative beitreten.

Der Kanzler ist während der Pressekonferenz so gut aufgelegt, dass er seinen Freund Tony Blair demonstrativ in Schutz nimmt. Ob Blair als eine Marionette des US-Präsidenten George W. Bush nach Berlin gekommen sei, fragt frech eine britische Journalistin.

Bevor der antworten kann, gibt sich Schröder einen Ruck: „Er ist als Tony Blair eingeladen worden, er ist als Tony Blair gekommen und er wird als Tony Blair wieder fliegen“, dekretiert er im Stakkatostil und fügt hinzu: „Ich hatte den Eindruck, dass er durchaus in der Lage ist, für sich selbst zu reden.“

Der Brite, der im eigenen Land wegen des Irak-Kriegs tatsächlich mit dem Rücken zur Wand steht und vom Schulterschluss mit den Kriegsgegnern nur profitieren kann, muss nur noch den Hinweis geben: „Mein Sprecher hat die Frage ja schon beantwortet.“ Sogar Chirac lässt die sachlichen Differenzen hinter sich und bemüht sich ebenfalls um Ehrenrettung: „Ich möchte die Fantasie würdigen, die hier an den Tag gelegt wurde“, meint er mit Blick auf die Unterstellung der Journalistin. Er habe sich zwar gut vorbereitet, doch nach dieser Frage feststellen müssen: „Man kann nie an alles denken.“

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