Gipfel : Europa will mehr Energiesicherheit

Die EU will den Aufbau der Gasversorgung aus Zentralasien vorantreiben und sich dadurch unabhängiger von russischem Gas machen. Auf einem Gipfel mit künftigen Liefer- und Transitländern vereinbarte die EU dazu das gemeinsame Projekt "Südlicher Korridor".

PragZu den Unterzeichnern des Korridor-Projekts mit der EU gehören Aserbeidschan, Georgien, die Türkei und Ägypten. Die ebenfalls vertretenen Regierungen der wichtigen Gasproduzenten Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan unterzeichneten die Vereinbarung von Prag nicht. Diese Länder hätten aber möglicherweise nicht die gleichen Ziele wie die europäischen Staaten, sagte EU-Ratspräsident Mirek Topolanek.

Durch das Prager Abkommen sollen die Verbraucherländer zu festen Abnahmemengen und die Produzenten zu verbindlichen Liefermengen verpflichtet werden. Ziel ist es, die Energiekooperation zu stärken, Investitionen in Transportwege zu fördern und engere wirtschaftliche Beziehungen aufzubauen.

Die neue "Nabucco"-Pipeline soll so rasch wie möglich gebaut werden und Gas vom Kaspischen Meer und Zentralasien unter Umgehung Russlands bis nach Österreich transportieren.  So kann Gas in die EU fließen, ohne dass der Transport von Russland kontrolliert wird. Derzeit liefert Russland ein Viertel des Gases, das in der EU verbraucht wird. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte, dass es nicht darum gehe, bestehenden Verträge infrage zu stellen, sondern zusätzliche Ressourcen zu erschließen.

Türkei und Irak haben Kooperation zugesagt

Das Transitland Türkei will bis Juni ein Energie-Abkommens mit der EU abschließen. Der türkische Präsident Abdullah Gül habe in seiner Rede zwar betont, wie wichtig der EU-Beitritt für die Türkei sei, aber dies nicht zur Bedingung für die Unterzeichnung des Energie-Abkommens gemacht, sagte Barroso

Auch eine Vereinbarung mit dem Irak als zusätzlichem Gaslieferanten wird schnellstmöglich angestrebt. Das Land sagte die Teilnahme an dem Gipfel zwar ab, doch die Regierung habe die Unterzeichnung der Erklärung zugesagt, sagte ein Sprecher der Ratspräsidentschaft.

Russland ist nicht begeistert

Europas Energielieferant Nummer eins, Russland, und die USA waren als Beobachter beim Gipfel vertreten. Der russische Vertreter kritisierte die Projekte als ineffizient und teuer, berichtete Topolanek. Die Russen sähen durch alle neuen Routen ihre starke Stellung als wichtigster Lieferant gefährdet.

Wie wichtig Alternativen zu russischem Gas sind, machte die Gaskrise Anfang des Jahres zwischen Russland und der Ukraine deutlich. Mehrere EU-Länder waren im kältesten Winter zwei Wochen lang von Gaslieferungen abgeschnitten. (sh/Reuters/dpa)

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