Politik : Gipfel in der Oper

Deutsch-italienische Entspannung: Schröder trifft Berlusconi in Verona

Thomas Migge[Rom]

Nun also doch. Wenn Kanzler Gerhard Schröder (SPD) am 22. August der Einladung des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi nach Verona folgt, um sich zusammen die Oper „Carmen“ anzuschauen, findet gleichzeitig ein kleiner europäischer Gipfel statt. Denn erstmals seit Beginn der Verstimmungen in den deutsch-italienischen Beziehungen trifft Schröder dort auf Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Ein bilaterales Treffen der beiden Regierungschefs ist für den Morgen des folgenden Tages geplant, bestätigte ein Sprecher der Bundesregierung am Dienstag. Am Abend zuvor soll es nach der Oper ein Abendessen zu dritt geben, wie aus italienischen Regierungskreisen verlautete.

Nachdem Schröder seinen Urlaub im mittelitalienischen Pescara bei seinem Malerfreund Bruno Bruni aufgrund der rhetorischen Ausfälle des inzwischen zurückgetretenen römischen Staatssekretärs Stefano Stefani abgesagt hatte, lud Prodi den Kanzler nach Verona ein. Auf diese Weise soll der Eindruck, wonach Schröder mit Italien bis auf weiteres nichts mehr zu tun haben will, ausgeräumt werden.

Berlusconi wurde von Veronas linksdemokratischen Bürgermeister Paolo Zanotta eingeladen. Zanotta soll Berlusconi auch mitgeteilt haben, schreibt die Tageszeitung „La Repubblica“, dass Prodi an einem Dreiertreffen interessiert sei. Damit solle das deutsch-italienische Verhältnis wieder verbessert werden, hieß es.

Auslöser der schweren deutsch-italienischen Spannungen ist ein Vorfall im EU-Parlament. Nachdem der deutsche EU-Parlamentarier Martin Schulz (SPD) Berlusconi bei seiner Antrittsrede als Ratspräsident kritisiert hatte, bot der Italiener dem Deutschen an, in einem Nazi-Film einen Lageraufseher zu spielen. Trotz heftigem nationalen und internationalen Druck hatte Berlusconi seinen sprachlichen Lapsus nur bedauert, sich aber nie direkt entschuldigt.

Fünf Tage lang soll Italiens Regierungschef sich für seine Entscheidung Zeit gelassen haben. Wie es in Regierungskreisen heißt, überzeugte ihn schließlich der Druck durch Zanotta und seine eigenen Berater.

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