Gipfel in L'Aquila : Mehr Geld statt Nahrungsmittel für die Armen

Die Staaten der G 8 haben sich erneut festgelegt: Sie wollen Milliarden bereitstellen, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Die Lieferung von Nahrungsmitteln soll reduziert werden.

Die G-8-Staaten wollen direkte Nahrungsmittelhilfen reduzieren, dafür den armen Staaten aber mehr Geld geben, so dass diese eine eigene funktionierende Landwirtschaft aufbauen können. Im Kampf gegen Hunger und Armut wollen die Nationen die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern in den kommenden drei Jahren mit 20 Milliarden Dollar unterstützen, wie aus einem Entwurf für das Abschlussdokument des Gipfels hervorgeht. Es wurde erwartet, dass die USA, Japan und die EU jeweils etwa drei Milliarden Dollar bereitstellen. Ursprünglich war von zwölf Milliarden Dollar die Rede gewesen.

Die armen Länder, insbesondere in Afrika, leiden massiv unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Laut Welternährungsorganisation übersteigt die Zahl der Hungernden aufgrund der Krise in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Grenze.

Im Bereich der Entwicklungshilfe wollen die G-8-Staaten künftig regelmäßig selbst überprüfen, ob sie ihre 2005 im schottischen Gleneagles gemachten Versprechen einhalten – etwa das, die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen. Bereits am Mittwoch hatten die G-8-Staats- und Regierungschef ihr Ziel bekräftigt, bis 2015 jeweils 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen.

Am Donnerstagabend war es zu einem "historischen Shakehands" zwischen US-Präsident Barack Obama und dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gadhafi gekommen. Libyens Präsident ist mit den Führern weiterer afrikanischer Staaten und sogenannter Schwellenländer in L'Aquila dabei.

Bereits an den ersten beiden Gipfeltagen hatten die G-8-Chefs Handlungsfähigkeit demonstriert: Iran drohten sie wegen des Atomprogramms ultimativ mit Sanktionen, beim lange vernachlässigten Klimaschutz übernahmen sie erstmals eine Führungsrolle. Auch aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China schlossen sich bei den Gipfel-Verhandlungen am Donnerstag dem ambitionierten G-8-Ziel an, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, um den Klimawandel aufzuhalten. Bis 2010 soll zudem der Streit um Zölle und Agrarsubventionen beigelegt sein.

Obama kündigte an, im März 2010 einen Atomgipfel in Washington einzuberufen, um Maßnahmen im Kampf gegen den Nuklearwaffen-Schmuggel voranzubringen. So will er unter anderem verhindern, dass Staaten wie Iran Atomwaffen bauen.

Im Konflikt um das iranische Atomprogramm hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Israel vor einem eventuellen militärischen Alleingang gewarnt. Ein israelischer Militärschlag gegen die Atomanlagen in Iran wäre die "absolute Katastrophe".
 

ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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