Gipfel in Pittsburgh : G 20 einigen sich auf strengere Boni-Regelungen

Horrende Prämien könnten schon bald passé sein: Die G-20-Staaten wollen die Vergütungsregeln für Bankmanager verschärfen. Auch bei den Bilanzregeln gibt es Fortschritte.

Bankmanager müssen sich rund um den Globus auf neue Zeiten einstellen: Wie Diplomaten beim G-20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh mitteilten, werden die dort tagenden 20 stärksten Wirtschaftsnationen (G 20) für die Vergütungen der Bankmanager härtere Regeln aufstellen.

Demnach soll es in Zukunft keine garantierten Boni mehr geben. Prämien müssten zudem an Gewinn oder Umsatz gekoppelt sein. Wie es weiter heißt, sollen Aufsichtsbehörden über die Einhaltung der Vergütungssysteme wachen. Und sollte eine notleidende Bank staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, könnten Vergütungen nachträglich gekürzt werden.

Nach Angaben aus der deutschen Delegation ist auch an Strafen gedacht, sollten Geldhäuser die Richtlinien umgehen. So könnten Institute gezwungen werden, bei Verstößen mehr Eigenkapital vorzuhalten.

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Auch in puncto schärfere Vorschriften für das Eigenkapital von Banken gibt es einen Durchbruch: So wollen die USA die entsprechenden Regelungen bis 2011 umsetzen und schließen sich damit dem "Basel II"-Abkommen an. 

Bereits im Jahr 2004 wurde das Abkommen vom Ausschuss für Bankenaufsicht verabschiedet. Es soll die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Finanzsystems stärken, die Wettbewerbsgleichheit verbessern und Risiken besser erfassen. Deutschland und andere europäische Ländern befolgen die "Basel II"-Regelungen bereits seit Anfang 2007.

Einen ersten Anstoß gab der Gipfel bereits für die seit 2001 dahindümpelnde "Doha-Runde" zur Liberalisierung des Welthandels. Dem G20-Abschlussdokument zufolge soll sie 2010 abgeschlossen werden und damit der Streit über Agrar- und Industrie-Zölle sowie Subventionen endlich gelöst werden. Zudem sollen gewichtige Schwellenländer wie China und Indien beim Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr Mitsprache bekommen.

Der zweitägige Gipfel an der US-Ostküste ist der dritte seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers vor gut einem Jahr. Zur Stützung von Banken und Konjunktur wurden seitdem staatliche Programme im Umfang von rund fünf Billionen Dollar aufgelegt. Die G20 verabredeten, die Hilfen erst zurückzufahren, wenn ein nachhaltiger Aufschwung der Wirtschaft gesichert ist.

Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück sprachen von einem Erfolg, der auch auf ihr Drängen zurückgehe. Merkel zufolge seien die Beschlüsse konkreter als die des vorangegangenen Gipfels im April in London. Steinbrück sagte, von dem Gipfel gehe das Signal an alle Finanzmarktakteure aus, dass man nicht weitermachen könne wie vor der Finanzkrise. Mit seiner Forderung nach einer Beteiligung der Finanzmärkte an den Krisenkosten über eine Steuer auf alle Arten von Börsengeschäfte konnte er sich nicht durchsetzen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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