Politik : Gipfel in Pjöngjang: Protokoll, Petroleum und Propaganda (Kommentar)

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Was macht Kim Jong Il? Gestern hätte der "Liebe Führer" den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung bei sich in Pjöngjang empfangen sollen - koreanischer Friedensgipfel stand auf dem Programm. Beide Seiten hatten monatelang auf das historische Treffen hingearbeitet. Für das bizarre Regime in dem Hungerland jedoch zählt das nicht viel: Sonnabend Nacht wurde der Gipfel per Telefonanruf auf Dienstag verschoben. Und die Welt rätselt, warum? Die Antwort kennen wohl nur die Führer in Pjöngjang, vielleicht auch die in Seoul. Offiziell werden "technische Probleme" für die Verzögerung angebracht. Das muss nicht unbedingt eine Ausrede sein: In Pjöngjang sind Stromausfälle mittlerweile so häufig, dass selbst die wenigen Diplomaten nachts auf Petroleumlampen umsteigen. Ein Gipfeltreffen im Dunkeln - das wäre auch für das Regime in Pjöngjang zu viel der Scham. Wahrscheinlicher ist, dass Taktik dahinter steht. In der Vergangenheit hat Pjöngjang bei wichtigen Treffen immer wieder kurzfristig die Planung umgeworfen. Einmal wurde ein Vize-Minister noch am Tag der Anreise ausgeladen. Möglicherweise also soll Druck aufgebaut werden. Protokoll, Petroleum, Propaganda: Ein Gipfel, wie aus dem 20. Jahrhundert übrig geblieben. Trotzdem kann man nur hoffen, dass er endlich beginnt.

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