Globaler Protest von links : Heute vor zehn Jahren wurde Attac gegründet

Heute vor zehn Jahren wurde Attac gegründet. Weltweit hat die Globalisierungsgegner-Organisation rund 90.000 Mitglieder. Ihr Credo: "Eine andere Welt ist möglich".

Barbara Junge

Berlin - Diese Bilder gingen um die Welt. Ein junger Demonstrant, der in seinem Blut auf einer der grauen Straßen Genuas liegt. Carlo Giuliani, erschossen von einem jungen italienischen Polizisten. 200 000 Demonstranten aus aller Welt, die im Juli 2001 in der zur Festung hoch gesicherten italienischen Hafenstadt anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels gegen die Gier der Globalisierung protestieren. Und immer wieder junge und ältere Menschen in T-Shirts mit dem Aufdruck „Attac“, „eine andere Welt ist möglich“.

Unter dem Titel „Attac“, der in seiner französischen Langform „Association pour une taxation des transactions financieres pour l’aide aux citoyens“ heißt, veröffentlichte der französische Journalist Ignacio Ramonet in „Le monde diplomatique“ Ende 1997 einen Aufruf zur Gründung einer neuen linken Bewegung. Im Zentrum der Organisation, die sich am 3. Juni 1998 in Frankreich gründete, stand die Forderung nach der Einführung der Tobin-Steuer. Mit dieser Abgabe auf internationale Finanztransaktionen sollte der Armut der Welt beizukommen sein. Bis Genua – 2000 wurde die deutsche Attac-Sektion gegründet – war Attac nur wenigen Aktivisten aus der Linken bekannt.

Nach Genua, diesem Wendepunkt der globalisierungskritischen Bewegung, schwoll Attac als internationales Sammelbecken von Kapitalismus- und Globalisierungskritikern, Armutsbekämpfern, Klimaschützern, Pazifisten, Christen und revolutionären Bauern in einer großen Welle an. Heute, zehn Jahre nach seiner Gründung, zählt das Netzwerk nach eigenen Angaben weltweit etwa 90 000 Mitglieder, Organisationen und Einzelpersonen. In Deutschland reicht die Zahl bald an die 20 000-Marke.

Im Milieu der Gipfelgegner kristallisierte sich das international organisierte Netzwerk als Organisator und Ansprechpartner innerhalb einer Szene heraus, in der durchaus Organisationen zu finden sind, die sich gegenseitig nicht nur wohlgesinnt sind. Von den Basisgruppen als zu konformistisch kritisiert, aus dem bürgerlichen Spektrum der mangelnden Distanzierung von militanten Gruppen beschuldigt, mischt Attac in Deutschland in einer Großzahl von Bürgerprotesten mit. Vom Protest gegen die Bahn-Privatisierung, gegen die Vorratsdatenspeicherung bis zur Kritik am Lissabon-Vertrag. Aber just zum Jahrestag lud Attac am Montag zu einer Pressekonferenz, in deren Mittelpunkt das ureigenste Thema stehen sollte: Die demokratische Kontrolle der Finanzmärkte. Barbara Junge

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