Politik : Glogowski zum dritten Mal vor Untersuchungsausschuss

Klaus Wallbaum

Gerhard Glogowski antwortet vor dem Ausschuss oft ganz leise, manchmal kaum hörbar. Er lächelt selten, wirkt angespannt und berät sich häufig mit seinem Anwalt Götz von Fromberg. Vor zwei Wochen haben die öffentlichen Vernehmungen des Untersuchungsausschusses zur Glogowski-Affäre begonnen, zum dritten Mal ist der SPD-Politiker am Freitag als Zeuge gehört worden. Die Fröhlichkeit, die er beim ersten Termin noch zur Schau getragen hat, ist gewichen. Glogowski weiß: Im Ausschuss muss er sich harte und kritische Fragen gefallen lassen - sogar von seiner SPD.

Am Freitag waren die "tatsächlichen Gründe des Rücktritts" dran. Ist Glogowski, der Ende November 1999 nur eine Woche nach ersten Berichten über die Vorwürfe gegen ihn zurücktrat, zu diesem Schritt gedrängt worden? Gab es einen Komplott aus den eigenen Reihen? Der Zeuge wiegelt ab. Er habe "Fehler gemacht, die Konsequenzen gezogen und den Rücktritt erklärt". Aus freien Stücken sei er gegangen und auch von seinem Nachfolger Sigmar Gabriel nicht gedrängt worden.

Wie bitter der Schritt für ihn war, verbirgt Glogowski nicht. Er sei damals "erst verurteilt" worden, bevor man Beweise gehabt habe. Die Tage vor und nach dem Rücktritt seien "die schwersten meines Lebens" gewesen, und er freue sich, nach wie vor bei guter Gesundheit zu sein. "Ich wäre dankbar gewesen, man hätte mich nach dem Rücktritt in Frieden gelassen", fügt der SPD-Mann hinzu. Aber nun gebe es ja diesen Ausschuss.

Auf Nachfragen gibt Glogowski zu erkennen, dass er schon an undichte Stellen in der Staatskanzlei glaubt, durch die brisante Vorwürfe gegen den damaligen Ministerpräsidenten öffentlich geworden sind. "Das sind zwar nur Vermutungen. Aber ich schließe aus, dass das alles von selbst den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat." Die Liste der angeblichen oder tatsächlichen Verfehlungen sei jedenfalls "nicht vom Himmel gefallen", sagt er später in die Fernsehkameras.

Die Abgeordneten konfrontierten den Zeugen am Freitag noch einmal mit den härtesten Vorwürfen: Warum hat er Bezüge aus Aufsichtsratsmandaten zu spät an das Land abgeführt? Dazu war pünktlich ein Vermerk aus der Staatskanzlei aufgetaucht, der den Eindruck erweckt, in bestimmten Fällen habe Glogowski zunächst die Beträge nicht weiterleiten wollen - was er dann später allerdings doch tat. Der SPD-Politiker weist den Vorwurf weit von sich. Immer dann, wenn er schriftlich um Zahlung von Abschlägen an das Land aufgefordert worden sei, habe er dies auch unverzüglich getan. Er wisse allerdings nicht, warum er längere Zeit nicht zu solchen Abschlägen aufgefordert worden sei.

Zweiter Kernvorwurf: Was wusste Glogowski darüber, ob möglicherweise wichtige Akten vernichtet worden sind? Klar scheint zu sein, dass eine Verschluss-Sache zu den Aufsichtsratsbezügen in der Staatskanzlei verändert wurde. Hinweise gibt es auch, dass die Anforderung einer Rechnung für eine Flugreise nachträglich geschrieben worden ist. Schließlich gibt es Aussagen, in Glogowskis Zeit als Innenminister seien regelmäßig "persönliche Akten" von ihm gesäubert worden. Dass solche persönlichen Dokumente vernichtet worden sind, will Glogowski ausschließen. "Ich vermisse jedenfalls keine." Von den übrigen Vorgängen wisse er nichts - das habe alles sein Büro mehr oder weniger allein zu verantworten.

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