• Glückwünsche, die nicht ankommen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird 60 – unter Hausarrest

Politik : Glückwünsche, die nicht ankommen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird 60 – unter Hausarrest

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Die Rockgruppe R.E.M. hat ein Lied für sie komponiert. US-Senatoren haben geschrieben. In Malaysia nahmen 68 Demonstranten ihre eigene Festnahme in Kauf. In 16 Ländern wollen Sympathisanten sich Hausarrest auferlegen. In London und Paris, in Berlin und Delhi, in Tokio und Seoul sowie in einem Dutzend anderer Hauptstädte ziehen Protestler zu Myanmars Botschaften. Der Musiksender MTV ruft dazu auf, von der Junta per E-Mail ihre Freilassung zu fordern. In Thailand will eine Uni ihr den Doktortitel verleihen. Die Stadt Edinburgh vergibt einen Freiheitspreis. Südafrikas Desmond Tutu hat sie mit Nelson Mandela verglichen und eine Videobotschaft aufgenommen. Und in San Francisco ist fortan jeder 19. Juni ihr Ehrentag. Da wurde die Frau geboren, die nicht vergessen werden soll: Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Dass sie am Sonntag 60 wird, ist fast Nebensache.

Zwingender Anlass der weltweiten Aktionen ist vielmehr die Tatsache, dass Suu Kyi immer noch unter Arrest steht. Vor 16 Jahren, damals hieß ihr Land noch Birma, sperrten Militärs sie erstmals ein. Seitdem gab es Phasen in Freiheit, aber heute ist es so wie 1989: Eine Gefangene kämpft für Demokratie, eine Militärclique führt ein schlimmes Regime.

Dünn ist sie, fast dürr. Glatte Gesichtshaut, wache Augen – Suu Kyi sieht jünger aus als 60. Sie wuchs ohne Vater auf, er war im Kugelhagel von Mördern gestorben. Aung San erlebte nicht mehr, was er mit der Kolonialmacht Großbritannien vereinbart hatte: Birmas Unabhängigkeit innerhalb eines Jahres. Heute wiegt der Name Aung San immer noch schwerer als jeder andere. Weil der Unabhängigkeitsheld ihn trug. Und weil seine Tochter Suu Kyi sich so viel Respekt erarbeitet hat. Als junge Frau studierte sie im britischen Oxford. Dort heiratete sie auch den Dozenten Michael Aris. Zwei Söhne folgten. Um ihre kranke Mutter zu pflegen, kehrte Suu Kyi 1988 nach Birma zurück. Dort fiel gerade ein sozialistisches Militärregime, Studenten forderten Demokratie. Tausende starben, als der Stabschef der Armee putschte und den Studentenprotest niederschlug. Suu Kyi wollte Frieden und rief zu Versöhnung auf. Sie wollte Wandel, hatte die „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) mitgegründet, eine Partei, der sofort Millionen folgten. Und Suu Kyi wollte führen, die charismatische Frau sprach im ganzen Land vor Hunderttausenden: mit ruhiger und doch bestimmter Stimme, mit sparsamer Gestik. Sie ist eine begnadete Rednerin. 1989, kurz vor freien Wahlen, sperrte die Junta Suu Kyi plötzlich in ihrem Haus ein. Sie sei „eine Gefahr für den Staat“. In Wahrheit war die Militärherrschaft gefährdet. Die NLD gewann mehr als 80 Prozent der Parlamentssitze. Da ignorierte die Junta das Ergebnis und blieb einfach an der Macht. Suu Kyi käme nur frei, wenn sie daraufhin das Land verlasse. Sie blieb lieber unter Arrest. Auch dafür bekam sie 1991 den Friedensnobelpreis. Seitdem ist sie – mit einigen Unterbrechungen – weitgehend isoliert. Die Telefonleitung ist gekappt, Besuch verboten. Aung San Suu Kyi lebt am Inya-See – mundtot gemacht und allein.

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