Politik : Göttliche Freuden

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Über die Leiden der Opposition – oh, darüber ließe sich vieles sagen. Das tun wir aber täglich auf den politischen Seiten. Hier wollen wir einmal von den Freuden der Opposition berichten. Manche dieser Freuden sind nicht öffentlich zu besichtigen, und wir können darüber nur mutmaßen. Etwa darüber, dass der weiterwirkende Kanzlerkandidat Stoiber, als er vorige Woche in Berlin war, vermutlich des Nachts in die Bayerische Landesvertretung schlich, dort vor der Porträtbüste des Franz Josef Strauss niederkniete und demütig dafür dankte, dass der Schutzheilige der CSU den Wahlsieg versagt hat. Denn bei dem Gedanken, dass der designierte SuperHyper-Mega-Minister Jürgen W. Möllemann soeben mit der Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe nach Gran Canaria geflüchtet wäre, kann Stoiber nur zu dem Schluss kommen, dass höhere Mächte mit ihm waren.

Aber das ist Mutmaßung. Mit eigenen Augen sehen wir hingegen, dass das Oppositionsleben viel Zeit für Schönes lässt. Friedrich Merz kommt Kreta-gebräunt zu seiner Wahl als Vize-Fraktionschef. Wolfgang Bosbach herzt seine Tochter, bevor er im Fraktionssaal verschwindet. Und Hans-Peter Repnik, der Bürde des Fraktionsgeschäftsführers ledig, zieht im Schlepptau 17 ganz junge Damen durch den Reichstag. Die Damen sind eine Schülergruppe aus seinem Wahlkreis am Bodensee. Sie wollen allesamt Kindergärtnerinnen werden. Im Reichstag mustern sie das Treiben vor den Kameras. Man sollte ihnen den Besuch vielleicht als Berufspraktikum gutschreiben?

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