Politik : Golfstaaten fürchten neuen Konflikt

Andrea Nüsse

Kairo - Sechs Golfstaaten haben ihr Angebot einer eigenen Vermittlungsinitiative im Atomstreit mit Iran nochmals bekräftigt. Bereits in der vergangenen Woche hatte der saudische Außenminister Prinz Saudi al Faisal im Namen des Golfkooperationsrates (GCC) das europäische Angebot begrüßt, Leichtwasserreaktoren nach Iran zu liefern, wenn Teheran seine eigene Uran-Anreicherung aufgibt. Der omanische Außenminister solle als Vertreter des GCC „in den kommenden Tagen“ nach Teheran reisen, hatte al Faisal angekündigt und Iran aufgefordert, die Region nicht weiter zu destabilisieren und einen Rüstungswettlauf zu verhindern. Allerdings hatte er auch gesagt, dass die Argumentation der Golfstaaten erschwert werde durch die Tatsache, dass andere Staaten in Nahost – er nannte Israel nicht namentlich – über Atomwaffen verfügen.

Am Sonntag, nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, erneuerte der kuwaitische Außenminister Mohammed Sabah al Salem al Sabah das Angebot. Die Golfstaaten sind besorgt, dass ein zweiter militärischer Konflikt neben der Gewalt im Irak die Region weiter destabilisieren könnte. Allerdings gilt die kurzfristige Sorge der Nachbarstaaten Irans vor allem der Reaktorsicherheit. Ein Unfall im iranischen Kernkraftwerk Bushehr hätte Auswirkungen auf die gesamte Region. Man fürchtet, dass das isolierte Iran veraltete sowjetische Technik nutzt. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Golfstaaten eine Zusammenarbeit Teherans mit Europa wünschen. Iran gibt sich Mühe, die Sorgen der Golfländer zu zerstreuen. So hatte der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki versichert, das Kraftwerk Buschehr werde von der internationalen Atomenergiebehörde IAEO kontrolliert, sei erdbebenfest und entspreche neuesten Sicherheitsstandards.

Mittelfristig fürchten die arabischen Golfstaaten zudem, dass Teheran durch den Besitz von Atomwaffen seine Machtposition in der Region ausbauen könnte. Die Beziehungen zwischen den mehrheitlich sunnitischen Golfländern und dem schiitischen Irak sind von Misstrauen geprägt.

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