Gorch Fock : Der mysteriöse Tod einer Kadettin

Jenny Böken starb 2008 bei einer Ausbildungsfahrt der Gorch Fock. Ein Unfall, lautete das Untersuchungsergebnis. Doch bis heute sind viele Fragen offen. Deshalb wird jetzt ist ein neues Verfahren beantragt.

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6. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine Anwärterin zu Tode kam.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2011 11:396. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine...

Was genau passierte in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 kurz vor Mitternacht an Bord des Segelschulschiffs Gorch Fock auf der Ausbildungsfahrt in der Nordsee? Für die Staatsanwaltschaft in Kiel ist der Tod der über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken aus Nordrhein-Westfalen ein Unfall gewesen. Doch für diese Einschätzung sind noch zu viele Fragen offen. Das meinen auch die beiden Obleute des Verteidigungsausschusses Omid Nouripour (Grüne) und Paul Schäfer (Linke).

Weil er zahlreiche Ungereimtheiten sieht, hat jetzt Rainer Dietz, der Anwalt der Familie Böken, die Wiederaufnahme des im Januar 2009 abgeschlossenen Verfahrens beantragt. Dietz möchte geklärt haben, ob der Grund schlampige Ermittlungen waren oder ein handfester Skandal in der Bundeswehr dahintersteckt. Eine Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft wollte vor einer Entscheidung über die etwaige Wiederaufnahme von Ermittlungen nicht Stellung nehmen.

Jenny Bökens Mutter Marlis hegt weiterhin den Verdacht, dass ihre damals 18-jährige Tochter von einem Marinekameraden sexuell belästigt wurde und nach einer ärztlichen Untersuchung womöglich ihren Peiniger anzeigen wollte. Sie stützt sich auf eine E-Mail der Offiziersanwärterin einen Tag vor ihrem Tod. Darin klagte sie über Unwohlsein und kündigte an, sich beim nächsten Landgang am Wochenende in die Krankenhaus-Notaufnahme zu begeben.

Ungeklärt ist auch die Rolle einer Truppenärztin und deren Tochter. In der Personalakte befand sich ein Vermerk über Jenny Bökens Schlafstörungen, der in der Krankenakte dann nicht mehr auftauchte. Die Ärztin vom Bundeswehr-Personalamt in Köln attestierte der Kadettin schließlich die Diensttauglichkeit für die Offiziersausbildung auf der „Gorch Fock“. Ausgerechnet die Tochter der Ärztin war in der Todesnacht zusammen mit Jenny Böken für den Wachdienst an Deck eingeteilt, als deren unmittelbare Wachablösung. Hat sie etwas gesehen oder gehört? Als Zeugin ist sie jedenfalls bisher genau wie auch andere der damals 220-köpfigen Besatzung noch gar nicht gehört worden.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche Indizien laut Anwalt Dietz für ein Verbrechen bestehen.

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