Gordon Brown : Auf Achse

Der britische Premier Brown macht seinen ersten Auslandsbesuch bei Kanzlerin Merkel - und nicht bei George Bush in den USA.

Matthias Thibaut[London]
Brown
Wie hältst du's mit Amerika? Gordon Brown kommt zuerst nach Deutschland. -Foto: AFP

Gordon Brown wird an diesem Montagabend zu seinem ersten Auslandsbesuch als britischer Premier nach Deutschland kommen – und nicht, wie man annehmen konnte, zunächst zum Antrittsbesuch beim amerikanischen Präsidenten nach Washington fliegen. In Berlin geplant ist ein gemeinsames Abendessen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch Spekulationen über eine Abkühlung der „special relationship“ mit Washington unter dem neuen Premier werden scharf dementiert – von Premier Brown selbst und auch von Außenminister David Miliband. Weder im Ton noch in der Substanz gebe es eine Änderung in den Beziehungen mit Washington, sagte Miliband am Sonntag in der BBC. Ein Besuch Browns in Washington stehe nur deshalb noch nicht fest, weil bisher kein Termin gefunden worden sei. Downing Street ergänzte, seit seinem Amtsantritt hätten Brown und US-Präsident George W. Bush bereits drei Mal miteinander telefoniert. Eine „lange“ Videokonferenz, hieß es aus anderen Quellen, sei „reibungslos und freundschaftlich“ verlaufen. „Wir sind fest entschlossen, mit der amerikanischen Regierung allgemein und speziell mit Präsident George W. Bush zusammenzuarbeiten“, sagte Miliband in der BBC. In der „News of the World“ schrieb er: „Wir wollen in der Weltpolitik etwas bewirken, und das macht man mit den USA, nicht gegen sie.“

Die Aufregung begann damit, dass Brown zwei erklärte Irakkriegsgegner in seine Regierungsmannschaft aufnahm – Universitätsminister John Denham und den ehemaligen UN-Diplomaten Malloch Brown. Letzterer bezeichnet sich als „Feind der Neokonservativen“ und prophezeite, Großbritannien und die USA würden nicht mehr „an der Hüfte zusammengewachsen sein“. Dann forderte Entwicklungsminister Douglas Alexander in einer Rede in Washington die USA auf, mehr Allianzen zu bilden. Im 21. Jahrhundert werde die Macht eines Landes nicht mehr an seiner Zerstörungskraft, sondern an dem gemessen, „was wir zusammen bauen können“. Brown musste die Wogen glätten. „Die Beziehung zwischen einem US-Präsidenten und einem britischen Premier beruht auf gemeinsamen, dauerhaften Werten, Freiheit, Chancengleichheit für alle, Würde des Individuums. Ich werde wie Tony Blair eng mit der amerikanischen Regierung zusammenarbeiten“, sagte er in einem Radiointerview.

Brown muss sich von seinem Vorgänger Tony Blair absetzen und tut dies, wie Umfragen zeigen, in der Innenpolitik schon mit großem Erfolg. Konkrete außenpolitische Kursänderungen gibt es bisher nicht. Der Rückzug britischer Soldaten von den Straßen im irakischen Basra und die bevorstehende Übergabe der Provinz an irakische Sicherheitskräfte sind seit langem geplant. Nicht einmal eine Beschleunigung des britischen Abzugs würde einen Bruch mit Blairs Irakpolitik bedeuten.

Ein Testfall wäre die Politik gegenüber dem Iran und seinen Atomplänen. Aber Miliband stellte sich hier voll hinter die Politik der USA und weigerte sich sogar, militärische Maßnahmen auszuschließen. Auch dass Brown mit frühen Besuchen in Berlin und Paris versucht, seinen Platz in Europas neuem Führungsteam geltend zu machen, ist nicht überraschend. Auch Blair pflegte europäische Partnerschaften mit Sorgfalt und war als Erster aus den Startlöchern, wenn es irgendwo in Europa Umbesetzungen an der Spitze gab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar