Politik : Gorleben bleibt friedlich – vorerst

Peter Ahrens

Gorleben - „Es gibt kein ruhiges Hinterland“, so lautet eine Parole der Castor-Gegner im niedersächsischen Wendland. Für den diesjährigen Atommülltransport ins Zwischenlager Gorleben scheint das nicht zu gelten. Zwar haben am Wochenende über 5000 Menschen im Wendland gegen die Transporte demonstriert, zwar stehen ihnen 12 000 Polizisten gegenüber – doch alles blieb ruhig und friedlich. Jedenfalls so lange, bis am Sonntagnachmittag durchsickerte, dass ein Atomkraftgegner in Lothringen vom Castor-Zug überrollt wurde, beide Beine verlor und später im Krankenhaus starb.

Die beinharte Auseinandersetzung zwischen Polizei und Protestierern, wie sie in Gorleben aus der Vergangenheit bekannt ist, gab es zunächst dennoch nicht. Ob es dazu an diesem Montag, an dem der Castor im Wendland eintrifft, kommt, ist offen – zunächst war nicht klar, wie die Demonstranten auf die Nachricht aus Frankreich reagieren.

Grundsätzlich gilt: Die Wut der Atomgegner, die noch den ersten rot-grünen Atomtransport 2001 bestimmte, ist der Erkenntnis gewichen, dass man auch von einem grünen Bundesumweltminister nicht viel zu erwarten habe. Auf der anderen Seite trägt mit Friedrich Niehörster seit zwei Jahren ein polizeilicher Einsatzleiter die Verantwortung, der die Strategie der massiven Konfrontation verändert hat. Die Zahl der Polizisten ist reduziert worden. Niehörster denkt darüber nach, in Zukunft auch ohne Wasserwerfer und Schlagstöcke auskommen zu können.

Die Protestierer betrachten diese Taktik allerdings mit gewissem Argwohn. Für Mathias Edler, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, wird „uns lächelnd die Hand hingehalten und uns der Dolch dafür hinterrücks hineingestoßen“. Die BI bemängelt, dass sich zwar die Strategie geändert hat, die Ergebnisse aber dieselben bleiben. Jahr für Jahr wandern neue Castoren ins Zwischenlager. Als ermutigendes Zeichen sieht Edler dagegen, dass die Zahl der Atomgegner gegenüber dem Vorjahr wieder zugenommen hat.

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