Politik : Gouverneur Bush kennt bei der Todesstrafe keine Gnade

Elly Junghans

Trotz möglicher Verfahrensfehler wurde ein Aufschub abgelehnt. Die Hinrichtrung der 62-jährigen Betty Beets war die 121. in Texas seit Bushs AmtsanstrittElly Junghans

Die einen wünschten der "Schwarzen Witwe" den Tod, die anderen sahen in ihr das eigentliche Opfer: In Texas wurde am Donnerstagabend die 62-jährige Mörderin Betty Lou Beets hingerichtet, obwohl sie angegeben hatte, sie sei von ihrem Ehemann misshandelt worden. Sowohl der republikanische Gouverneur und Präsidentschaftskandidat George W. Bush als auch der Oberste Gerichtshof der USA lehnten einen Aufschub für die neunfache Großmutter ab. Es war die achte Hinrichtung in Texas in diesem Jahr und die 120., seit Bush vor fünf Jahren sein Amt antrat. Nur ein einziges Mal hat er bisher einen Todeskandidaten begnadigt.

Laut einem Gefängnissprecher verweigerte Beets die Henkersmahlzeit und gab auch keine Erklärung ab. Sie sei ausdruckslos und gefasst gewesen. Eine Lokalreporterin, die die Hinrichtung bezeugte, berichtete, die 62-Jährige habe ihrem Anwalt und ihrem Pastor zugelächelt, die Familienmitglieder ihres Opfers jedoch nicht angeblickt. Nach Einleitung des Giftes habe sie zweimal gehustet und nach Luft geschnappt. Danach sei ihr Körper erbebt. Zehn Minuten nach der Injektion wurde sie für tot erklärt. Ihre Kinder waren auf ihren Wunsch bei der Hinrichtung nicht zugegen.

Beets war 1985 schuldig gesprochen worden, aus Geldgier ihren fünften Ehemann ermordet zu haben, dessen Leiche die Polizei im Garten entdeckt hatte. Auch die Ermordung ihres vierten Mannes wurde ihr zur Last gelegt. Zwei ihrer Stiefsöhne bezeichneten die Vollstreckung des Todesurteils als gerecht. "Opfer haben auch Rechte", sagte Rodney Barker, der einen schwarzen Cowboyhut trug und nach der Hinrichtung die Arme in einer Geste des Sieges empor reckte. James Beets meinte hingegen, er sei nicht sicher, dass ihm ihr Tod nun Erleichterung bringen werde. "Es bringt meinen geliebten Vater nicht zurück." Zumindest jedoch habe er seiner Stiefmutter verziehen.

Weil Beets nach eigenen Aussagen ein Opfer ehelicher Gewalt war, erfuhr ihre Hinrichtung in den USA mehr Aufmerksamkeit als sonst. Bush erhielt 1100 schriftliche Bitten um Gnade für die neunfache Großmutter; fast tausend Todesstrafengegner riefen im Büro des Gouverneurs an. Für ihre Begnadigung setzte sich unter anderem der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson ein. Allerdings erregte ihre Hinrichtung nicht so viel Aufsehen wie jene von Karla Faye Tucker im Jahr 1998. Damals protestierten rund 1200 Menschen vor den Toren des Gefängnisses in Huntsville.

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