Politik : Gouverneur von Kundus bei Anschlag getötet

Bei Attentat und Gefechten am Donnerstag mehr deutsche Soldaten verletzt als bisher bekannt / Heute Trauerfeier für die Gefallenen

Kabul/Berlin - Bei einem Bombenanschlag im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr sind der Gouverneur der Unruheprovinz Kundus sowie elf weitere Menschen ums Leben gekommen. Wie der Sprecher der Provinzregierung, Faiz Mohammad Tauhidi, am Freitag mitteilte, nahm Gouverneur Mohammad Omar gerade am Freitagsgebet in einer Moschee in der Nachbarprovinz Tachar teil, als in dem Gotteshaus ein Sprengsatz explodierte. Mindestens 13 Gläubige seien verletzt worden.

Erst am Donnerstag hatte in der Region ein Selbstmordattentäter einen 26-jährigen Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf getötet. 14 deutsche Soldaten wurden verletzt, von denen aber keiner in Lebensgefahr war. Zunächst war von sechs Verletzten die Rede. Nach dem Abschluss des knapp siebenstündigen Gefechts meldeten sich aber mehrere Soldaten vor allem mit Hörschäden. Mehr als die Hälfte der Verletzten stammt wie der Tote aus Seedorf.

Guttenberg sprach von einem „furchtbaren“ und „hinterlistigen“ Anschlag. „Der Einsatz in Afghanistan ist und bleibt höchst gefährlich“, sagte er. „Ich habe wiederholt darauf verwiesen, dass es in Afghanistan weiter Verwundete und Gefallene geben kann. So bedrückend diese Aussage ist, so wichtig ist es weiter, hier auch in aller Offenheit darauf hinzuweisen.“

Für den getöteten deutschen Oberfeldwebel des Fallschirmjägerbataillons 313 findet am heutigen Samstagmorgen in Kundus eine Trauerfeier statt. Anschließend soll die Leiche nach Deutschland geflogen werden, teilte der Leiter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, am Freitag in Berlin mit. Nach seinen Worten war die Sprengstoffweste des Selbstmordattentäters von „enormer Sprengkraft“. Sie sei mit Stahlkugeln gefüllt gewesen, die bei zwei geschützten Bundeswehrfahrzeugen vom Typ Dingo Türen und Scheiben durchschlagen hätten. Dies sei „mehr als erstaunlich“ und habe ihn „sehr betroffen“ gemacht, sagte der Generalleutnant.

Zuletzt waren im April innerhalb von nur zwei Wochen sieben deutsche Soldaten getötet worden. Drei von ihnen waren in Seedorf stationiert. Insgesamt sind seit 2001 jetzt 44 Bundeswehrsoldaten in dem Einsatz ums Leben gekommen, davon 27 durch Anschläge und Gefechte. Zurzeit sind rund 4830 deutsche Soldaten an dem von der Nato geführten Einsatz der internationalen Schutztruppe Isaf beteiligt. dpa/AFP/Tsp

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