Politik : Graffiti, Geometrie, gute Gedanken

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Der Schultest Pisa ist etwas Besonderes: Er prüft keinen Bildungskanon ab. Statistisches, auswendig gelerntes Wissen berührt er kaum, sondern setzt ganz überwiegend auf alltagsorientiertes und problemlösendes Denken. So sind traditionelle Gleichungen der Mathematik kaum vertreten, sondern stattdessen lebensnahe Fragen, die man mit Nachdenken oder durch Schätzen beantworten kann. Beim Textverständnis geht es entsprechend um das Verständnis von Fahrplänen, Kurzbriefen und Textstücken, ums Argumentieren und die Anwendung aufgenommener Informationen. Berücksichtigt werden auch Unterschiede in den Lehrplänen der beteiligten 32 Teilnehmerstaaten.

Einige Beispiele: Graffiti oder nicht Graffiti? In einem Brief berichtet eine fiktive „Helga“, wie sehr sie sich über Graffiti-Malereien an der Schulwand ärgert: „Warum schädigt ihr den Ruf junger Leute, indem ihr Graffiti malt, wo es verboten ist? Professionelle Künstler hängen ihre Bilder doch auch nicht in den Straßen auf, oder? Stattdessen suchen sie sich Geldgeber und kommen durch legale Ausstellungen zu Ruhm. Meiner Meinung nach sind Gebäude, Zäune und Parkbänke an sich schon Kunstwerke. Es ist wirklich armselig, diese Architektur mit Graffiti zu verschandeln, und außerdem zerstört die Methode die Ozonschicht.“    „Helgas“ Brief mussten die deutschen Schüler gegen „Sophias“ Plädoyer pro Graffiti abwägen: „Wer zahlt den Preis für die Graffiti? Wer zahlt letzten Endes den Preis für die Werbung? Richtig! Der Verbraucher. Haben die Leute, die Reklametafeln aufstellen, dich um Erlaubnis gebeten? Nein. Sollten also die Graffiti-Maler dies tun? Ist das nicht alles nur eine Frage der Kommunikation – der eigene , die Namen von Banden und die großen Kunstwerke auf offener Straße?“    

Die Schüler mussten auch rechnen: Die Tester zeichneten ein Rechteck mit den Seitenlängen von vier und drei Zentimetern. Die Frage nach dem Flächeninhalt, also die einfache Multiplikation von vier mal drei, und die Angabe des richtigen Flächenmaßes von zwölf Quadratzentimetern konnten immerhin 6,7 Prozent der deutschen Schüler trotz vorgegebener Antwortmöglichkeiten nicht richtig beantworten. Blamabel schnitten sie auch bei einer anderen Aufgabe ab: Sie hatten Zehn-, Fünf- und Zweipfennig-Stücke zur Verfügung und sollten errechnen, wie viele Möglichkeiten es gibt, um damit 31 Pfennig zu bezahlen. Nur 1,3 Prozent der Schüler lösten dies vollständig. rt/dpa

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