Politik : Granate schlägt in Athener US-Botschaft ein

Gerd Höhler

Athen - Es war wie ein Erdbeben“, beschreibt Panagiota Papadopoulou die Erschütterung, als zwei Minuten vor sechs Uhr früh die Granate in der US-Botschaft an der Athener Königin-Sofia-Straße einschlug. Sie durchschlug die Glasfassade des Botschaftsgebäudes im dritten Stock, wo sich auch das Büro von Botschafter Charles P. Ries befindet, und blieb in der Wand eines Toilettenraums stecken.

Der entstandene Sachschaden ist überschaubar, Verletzte gab es nicht. Aber die politischen Dimensionen des Attentats sind erheblich. Erinnerungen an die 80er und 90er Jahre werden wach, als die linksextreme Untergrundorganisation „17. November“ das Land mit Dutzenden Morden und hunderten Bombenanschlägen in Atem hielt. Der Terrorismus habe Griechenland in der Vergangenheit „gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich viel gekostet“, sagte Außenministerin Dora Bakogiannis nach einem Besuch bei US-Botschafter Ries. Sie weiß, wovon sie spricht: Ihr Mann Pavlos Bakogiannis, ein konservativer Parlamentsabgeordneter, wurde 1990 von Attentätern des „17. November“ ermordet. Droht Griechenland ein Rückfall in jene dunklen Jahre?

Der Anschlag trägt jedenfalls die Handschrift dieser Organisation. Viele glaubten, das Kapitel sei endgültig abgeschlossen, als die führenden Mitglieder der Terrorgruppe Ende 2003 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Doch die schon damals geäußerte Befürchtung, weitere Mitglieder der Gruppe seien auf freiem Fuß, erhält nun neue Nahrung.

In zwei Telefonaten bekannte sich wenige Stunden nach dem Attentat die Untergrundorganisation „Revolutionärer Kampf“ zu dem Anschlag. Diese Gruppe hat seit 2003 mehrere Bombenanschläge verübt, so im Vorfeld der Olympischen Spiele 2004. Die Frage ist, warum der Anschlag nicht verhindert wurde. Keine US-Botschaft in Europa gibt nach Angaben des State Department so viel Geld für Sicherheitsmaßnahmen aus wie die in Athen. Dennoch gelang es den Attentätern, unbemerkt auf einem gegenüberliegenden Grundstück die Abschussvorrichtung der Granate – es handelte sich um eine russische Panzerabwehrgranate vom Typ RPG-18 Mucha (Fliege) – in Stellung zu bringen, sie abzufeuern und unerkannt zu entkommen. Die Reste der Abschussvorrichtung fand die Polizei etwa zwei Stunden nach dem Attentat. Die Fahnder hoffen jetzt auf die Auswertung der vielen Überwachungskameras in der Umgebung der Botschaft.

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