Granaten auf türkisches Grenzdorf : Gezielte Angriffe

Granaten auf ein türkisches Grenzdorf: Die Regierung in Ankara hat das syrische Regime im Verdacht – und antwortet umgehend.

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Nach dem Einschlag. Bewohner des türkischen Grenzdorfes Akcakale reagieren panisch, nachdem der Ort von Syrien aus beschossen wurde. Foto: dpa
Nach dem Einschlag. Bewohner des türkischen Grenzdorfes Akcakale reagieren panisch, nachdem der Ort von Syrien aus beschossen...Foto: dpa

Der Konflikt in Syrien weitet sich gefährlich aus: Zum ersten Mal seit Ausbruch der Unruhen gegen die Regierung von Präsident Baschar al Assad im März vergangenen Jahres hat es militärische Auseinandersetzungen zwischen Syrien und dem Nachbarland Türkei gegeben. Nachdem am Mittwochnachmittag fünf Zivilisten in dem südosttürkischen Grenzort Akcakale beim Einschlag syrischer Artilleriegeschosse ums Leben kamen, nahmen türkischen Einheiten am Abend mehrere Ziele in Syrien unter Beschuss. Die türkische Regierung schaltete zudem die Nato ein.

Akcakale liegt nur wenige hundert Meter von der syrischen Grenze entfernt. In unmittelbarer Grenznähe wird auf syrischer Seite seit Wochen gekämpft; im September hatten Rebellen dort einen Grenzposten unter ihre Kontrolle gebracht. Seitdem schlugen hin und wieder Geschosse auf der türkischen Seite der Grenze ein, was bisher aber keine ernsteren Folgen hatte. Die türkischen Behörden gingen davon aus, dass es sich dabei um Querschläger handelte.

Das war nach Überzeugung der Regierung in Ankara am Mittwoch anders. Um etwa 16 Uhr 30 Uhr Ortszeit gingen mehrere syrische Artilleriegranaten in Akcakale nieder. Dabei kamen fünf Zivilisten ums Leben; nach einigen Berichten handelte es sich um eine Frau und vier Kinder. Mehrere andere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Türkische Militärs und Politiker kamen bei einer ersten Untersuchung des Vorfalls zu dem Schluss, dass es sich nicht um einen Zufall handelte. Auf die Frage, ob die türkische Regierung davon ausgehe, dass die Zivilisten bei einem gezielten Beschuss durch syrische Regierungstruppen ums Leben kamen, antwortete ein ranghoher türkischer Diplomat auf Anfrage des Tagesspiegels: „Ja.“

„Die Türkei wird solche Provokationen des syrischen Regimes, die unsere nationale Sicherheit bedrohen, niemals ungestraft lassen“, erklärte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. „Dieser Angriff ist von unseren Streitkräften sofort erwidert worden.“ Die türkischen Streitkräfte feuerten „auf Ziele entlang der Grenze, die mit Radar identifiziert“ worden waren. Schon im April hatte es im türkisch-syrischen Grenzgebiet Tote gegeben. Damals schossen syrische Truppen über die Grenze hinweg auf Flüchtlinge, die sich in der Türkei in Sicherheit bringen wollten. Zwei Syrer starben, mehrere türkische Beamte in einem nahen Flüchtlingslager wurden verletzt.

Nach dem Abschuss eines türkischen Aufklärungsflugzeugs vor der syrischen Küste im Juni warnte die türkische Regierung, jede Truppenbewegung der Syrer in der Nähe der Grenze werde ab sofort als Bedrohung aufgefasst und militärisch beantwortet.

In Brüssel kamen noch am Mittwochabend die Nato-Botschafter zusammen. „Wir sind empört darüber, dass Syrier über die Grenze geschossen haben“, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Es sei eine „sehr gefährliche Lage“ entstanden.

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