Politik : Grass’ Entlassungspapiere

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Günter Grass hat offenkundig schon in amerikanischer Kriegsgefangenschaft seine Mitgliedschaft in der Waffen- SS zugegeben. Seine Angaben beglaubigte er damals mit Unterschrift und Fingerabdrücken. Das geht aus zwei Seiten seiner Personaldokumente hervor, die die Berliner Wehrmachtsauskunftsstelle am Dienstag auf Anfrage des Tagesspiegels herausgab. Es handelt sich nach amtlichen Angaben um die Entlassungspapiere von Grass bei der US-Armee. Grass, dessen Vorname in den Papieren mit „h“ geschrieben ist, war am 8. Mai 1945 im heute tschechischen Marienbad in Kriegsgefangenschaft geraten. Seinen Papieren zufolge wird er als „Lade- Schütze“ der „SS-Panzerdivision Frundsberg“ geführt. Grass trug die Gefangenen-Nummer 31 G 6078 785. In den Dokumenten der US-Armee gab er als letzten Beruf „Schüler – pupil“ an. Den Aufzeichungen zufolge ist er am 24. April 1946 wieder entlassen worden.

Als sein Arbeitslohn sind in den Papieren 107 Dollar und 20 Cent verzeichnet. Auf einem der Dokumente aus US-Beständen ist unter Waffengattung das Datum „10. November 1944“ sowie der Zusatz „Waffen-SS“ vermerkt. Nach Angaben der Wehrmachtsauskunftsstelle könnte es das Einberufungsdatum sein. Das sei allerdings nicht verbürgt, heißt es dort. Im Berliner Bundesarchiv ist man dagegen bisher weder in den Beständen des ehemaligen „Document Center“ noch im sogenannten NS-Archiv des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit in Sachen Günter Grass fündig geworden. „Es konnten keine Unterlagen ermittelt werden“, hieß es auf Anfrage. Der Literatur-Nobelpreisträger steht in der Kritik, seit er sich am Wochenende in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu seiner 60 Jahre lang verschwiegenen SS-Vergangenheit bekannt hatte. Grass war beim Eintritt in die Waffen-SS 17 Jahre alt (Meinungsseite und Seite 22). Jürgen Schreiber / Foto: Thilo Rückeis

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