Politik : Graswurzeln

Matthias Meisner

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ein wenig melancholisch war die Stimmung schon, als es am Wochenende im Käthe-Tucholla-Stadion in Berlin-Treptow ein Jubiläum zu feiern galt. 20 Jahre ist die „Grüne Tulpe“ nun alt, ein Club aus den guten alten Bonner Zeiten, als mitten im Regierungsviertel ein Tulpenfeld war und die Grünen Sonnenblumen herumtrugen.

1983, nach dem Einzug in den Bundestag, hatten Joschka Fischer, Hubert Kleinert, Ludger Volmer und ihre Freunde eine Fußballmannschaft aufgestellt – das zugegeben inzwischen stark verjüngte Team wird bis heute gefürchtet: 21 Siege, zwei Remis und 16 Niederlagen verzeichnet die Spiel-Statistik für 2002. Fortuna Unglück etwa musste sich mit 9:1 geschlagen geben, schlimmer erging es noch dem CFB Hasenheide.

Den Ruf von Joschka Fischer mehrt das schon ein paar Jahre lang nicht mehr. Seit die Grünen in der Regierung sind, hat sich das grüne Idol nicht mehr für die „Grüne Tulpe“ aufs Spielfeld begeben. Auch zum Jubiläum am Wochenende war er bei den EU-Außenministern in Rom – keine Zeit für Spiele. Von den alten „Stars“ kickte in Treptow nur noch der frühere Parlamentsgeschäftsführer Werner Schulz mit. Ludger Volmer stand mit einer Rückenverletzung am Spielfeldrand, wurde aber zum „Ehrentorhüter auf Lebenszeit“ ernannt.

Über Joschkas frühere Erfolge wurde geraunt. „Ein ausgesprochen kampfstarker Stürmer“ sei er gewesen, erinnerte sich einer. Es war einmal. Doch die „Grüne Tulpe“ hält alte Ideale hoch. Die Rotation wird geachtet (und nach 45 Minuten gern ausgewechselt), der Promikult verachtet (nur Leistung zählt). Sollte es noch wahre Fundis bei den Grünen geben?

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