Politik : Grausige Panne bei Hinrichtung im Irak

Zwei Gefolgsleute Saddams gehenkt / Zeugen zu Wohlverhalten verpflichtet

Andrea Nüsse[Kairo]

Trotz internationaler Proteste sind am Montagmorgen der Halbbruder Saddam Husseins, Ex-Geheimdienstchef Barsan al Tikriti, und ein ehemaliger Richter in Bagdad hingerichtet worden. Dabei kam es erneut zu einer Panne: Bei der Hinrichtung durch den Strang riss dem Halbbruder Saddam Husseins der Kopf ab. Dies teilte Regierungssprecher Ali al Dabbagh mit. Er bezeichnete den Vorfall als ein „seltenes Vorkommnis“. Der Berater von Premierminister Nuri al Maliki, Basem Ridha, sprach von einem „Akt Gottes“.

Mit der Bekanntgabe des Zwischenfalls will die Regierung wohl Gerüchten zuvorkommen, die Verurteilten seien misshandelt worden. Ein im Auftrag der irakischen Regierung gedrehtes Video zeigte den Leichnam unter dem Galgen, der Kopf lag mehrere Meter davon entfernt. Es wurde ausgewählten Journalisten gezeigt. Nach Angaben von Experten kann es zur Trennung des Kopfes vom Rumpf führen, wenn die Fallhöhe zu groß ist. Die Umstände der Hinrichtung von Saddam Hussein waren weltweit scharf kritisiert worden. Der ehemalige Diktator ist bis zum letzten Atemzug von Schiiten provoziert worden, und die Hinrichtung wurde illegal gefilmt. Neben Barsan al Tikriti wurde am Montag auch der frühere Leiter des Revolutionsgerichts, Awad Ahmed al Badar hingerichtet.

Der bei der Hinrichtung anwesende Staatsanwalt Dschafaar al Mussawi sagte der BBC, er habe nur noch das Seil gesehen, als die Falltür sich geöffnet hatte. „Ich dachte, der Verurteilte Barsan al Tikriti sei aus dem Seil herausgerutscht. Ich trat an die Falltür und sah, dass der Kopf vom Körper abgetrennt worden war“, sagte er. Um chaotische Szenen wie bei der Hinrichtung Saddam Huseins am 30. Dezember zu verhindern, wurde die Zahl der Zeugen beschränkt. Alle Anwesenden mussten sich schriftlich zu gebührlichem Verhalten verpflichten. Die Verurteilten seien nicht beleidigt worden, sagte der Regierungssprecher. Die Leichen der beiden Hingerichteten sollen der Polizei übergeben worden sein, wo die Familien sie abholen können. Ein Mitglied der Verteidigung, der jordanische Anwalt Issam al Ghazzawi, zweifelte die offizielle Version der Hinrichtung an und sagte, dass im Irak mit „Misshandlungen“ gerechnet werden müsse. „Wir waren am Freitag in Bagdad und wurden nicht über den Termin informiert, obwohl wir darauf bestanden hatten, einen Vertreter zur Vollstreckung des Urteils zu entsenden“, sagte al Ghazzawi der Nachrichtenagentur AFP.

Barsan al Tikriti war einer der gefürchtetsten Männer des früheren irakischen Regimes. Der ehemalige Geheimdienstchef soll für die Folterung von Tausenden von politischen Gegnern verantwortlich sein. Als irakischer Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf soll er sich später um geheime Konten Saddam Husseins im Ausland gekümmert haben. Al Bandar wurde vorgeworfen, politische Urteile erlassen und im Dudschail-Verfahren mindestens 35 Teenager zum Tode verurteilt zu haben. Al Bandar bestritt dies, er habe sich nur an das irakische Recht gehalten.

Al Tikriti und al Bandar waren nach Angaben ihrer Anwälte bereits am 30. Dezember aus ihren Zellen zur Vollstreckung des Todesurteils abgeführt worden sein. Erst neun Stunden später seien sie wieder in ihre Gefängniszellen zurückgekehrt. Neben westlichen Regierungen hatte sich auch der irakische Präsident Talabani für einen Aufschub der Hinrichtungen ausgesprochen. Doch Regierungschef al Maliki hatte dies abgelehnt. Ländern, welche die Hinrichtungen kritisierten, drohte er mit dem Abbruch der Beziehungen.

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