Politik : Green Card: IT-Arbeitserlaubnisse ab nächster Woche

Schon in der nächsten Woche werden die ersten Green Cards für ausländische Computerspezialisten erteilt. Die Weichen für eine schnelle Umsetzung der am 1. August in Kraft tretenden Regelung seien gestellt, teilte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, am Donnerstag in Nürnberg mit. Für die Green Card wurde im Juni eigens eine Vermittlungsbörse der Bundesanstalt eingerichtet, in der sich Bewerber ausführlich vorstellen und Betriebe Kontakt aufnehmen oder Stellen anbieten können.

4600 Computerexperten aus dem In- und Ausland haben diesen Weg nach Angaben der Bundesanstalt bereits genutzt. Weitere 4200 ließen sich demnach ein Passwort geben, um ihre Bewerbung einstellen zu können. Betriebe sind dort mit 400 Stellenangeboten vertreten. 800 Unternehmen haben zudem um ein Passwort gebeten. Nach Angaben der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn wendet sich die Mehrzahl der Bewerber direkt per Internet an die IT-Firmen.

Jagoda hob erneut hervor, dass die Green Card für ausländische Fachkräfte eine Ausnahme für die IT-Branche sei. In anderen Bereichen könne und müsse der Bedarf aus dem heimischen Arbeitskräftepotenzial gedeckt werden. Die Green Card sei "keine Dauerlösung und auch kein Allheilmittel". Jagoda rief die Unternehmen eindringlich dazu auf, verstärkt fortzubilden.

Schon im April wurde nach Angaben der Bundesanstalt eine "IT-Hotline" eingerichtet. Auf diesem Wege seien den Arbeitsämtern bisher 14 400 Stellenangebote und 2200 Ausbildungsplätze gemeldet worden. Seit Mai gebe es auch eine e-mail-Adresse, unter der sich Interessenten melden könnten. Davon hätten 18 000 Gebrauch gemacht.

Die Green-Card-Regelung der Bundesregierung sieht vor, dass ab 1. August zunächst 10 000 Computer-Fachleute aus Nicht-EU-Ländern und deren Familien nach Deutschland kommen dürfen, bei Bedarf auch bis zu 20 000. Die Computer-Spezialisten sollen eine Arbeitserlaubnis von bis zu fünf Jahren bekommen. Auch Fachkräfte ohne Studienabschluss sollen die Green Card erhalten, wenn sie ein Einkommen von mindestens 100 000 Mark jährlich vorweisen. In Deutschland Informationstechnologie studierende Ausländer sollen nach dem Studium nicht automatisch das Land verlassen müssen.

Bayern führte seinerseits im Alleingang eine so genannte Blue Card ein. Sie erlaubt Unternehmen, nach einer Verwaltungsanweisung auf Grundlage des Ausländergesetzes ohne besonderen Visumsantrag ausländische Arbeitnehmer anzuwerben. Die Dauer richtet sich ausschließlich nach dem Arbeitsverhältnis, sie ist nicht wie bei der Green Card zeitlich begrenzt.

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit schloss unterdessen für das Jahr 2001 einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf 3,5 Millionen nicht mehr aus. "Dann muss es aber schon sehr gut laufen", sagte der Behörden-Chef. Bisher hatte Jagoda für das Jahr 2001 eher eine durchschnittliche jährliche Arbeitslosenzahl von rund 3,7 Millionen angenommen. Einen Rückgang um weitere 200 000 im kommenden Jahr halte er aber inzwischen für möglich. Für dieses Jahr rechnet Jagoda mit rund 3,9 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt.

Mit einer Vermittlungsoffensive wollen die Arbeitsämter in den nächsten Monaten die Chancen älterer Arbeitsloser auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Unter dem Motto "50plus - die können es" will die Bundesanstalt für Arbeit vor allem gängige Vorurteile vieler Firmen gegenüber älteren Jobsuchern widerlegen, betonte Jagoda. "Viele Arbeitslose haben nur einen kleinen Nachteil, den auch der Präsident der Bundesanstalt hat: Sie sind über 50", sagte er. Jagoda erhofft sich von der Aktion vor allem größere Einstellungschancen für die rund 35 000 arbeitslosen älteren Ingenieure. Für diese Berufsgruppe bestehe ein großer Bedarf. Seinen Angaben zufolge sind derzeit rund eine Million Arbeitslose älter als 50 Jahre.

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