Politik : Greenpeace-Bilanz: Mit Schlauchbooten gegen Raketen? (Kommentar)

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Den deutschen Chef von Greenpeace International wird es geschmerzt haben: Ausgerechnet im Weltmeisterland des ökologischen Bewusstseins musste seine Umweltorganisation im vergangenen Jahr Verluste bei den Einnahmen und bei der Zahl der Unterstützer hinnehmen. Trösten kann sich Thilo Bode damit, dass sich gleichzeitig weltweit mehr Menschen für Greenpeace eingesetzt oder Geld für die Aktivisten gespendet haben. Der Schwenk hin zu lösungsorientierten Kampagnen, den Bode vorhat, kommt etwas spät. Andere Großorganisationen hatten schon früher gespürt, dass sich das gesellschaftliche Klima wandelt. Die Haltung der distanzierten Kritik alleine, den empörten Gestus des Fingerzeigens finden vor allem jüngere Menschen nicht mehr attraktiv - auch dann offenbar nicht, wenn der Fingerzeiger in aufgewühlter See im Schlauchboot sitzt. Wie man sich konstruktiv einmischt, also Auswege aus verfahrenen Lagen bietet statt nur zu beschuldigen, hat Greenpeace selbst schon gezeigt - etwa mit der Entwicklung des FCKW-freien Kühlschranks. Wie Greenpeace diesen Anspruch allerdings mit einer Kampagne gegen das US-Raketenabwehrprogramm einlösen will, bleibt das Geheimnis der Umweltschützer. Wer zu viele unverständliche Vorhaben pflegt, kann schnell sein Restprofil verlieren.

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