Politik : Greenpeace-Bilanz: Neue Strategie - Umweltverband will mehr Lösungen anbieten

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace will ihre Strategie ändern. Protestaktionen blieben zwar das "wichtigste Mittel", sagte Thilo Bode, Geschäftsführer von Greenpeace International, am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Amsterdam. "Aber wir wollen auch Lösungskampagnen als zweites Standbein international ausbauen." Greenpeace habe ihre Einnahmen im vergangenen Jahr international auf 96,4 Millionen Euro steigern können. Das seien acht Prozent mehr als im Vorjahr, so Bode. Die Zahl der Förderer stieg weltweit um 100 000 auf 2,5 Millionen. Bei Greenpeace Deutschland jedoch sei die Anzahl um 20 000 auf 510 000 gesunken, die Einnahmen seien um sechs Millionen auf 65,4 Millionen Mark zurückgegangen.

In dem Jahresbericht heißt es weiter, eine Einkommenssteigerung sei vor allem bei den Greenpeace-Organisationen in den Entwicklungsländern zu verzeichnen. Namentlich erwähnt wurden Argentinien und China. In Deutschland hätten die Kampagnen "letztes Jahr bei der Bevölkerung nicht den Widerhall gefunden, den wir uns erhofft hatten", sagte die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, Brigitte Behrens, laut einer gleichzeitig in Hamburg veröffentlichten Erklärung. Als wichtige Kampagnenerfolge nannte Behrens die Stilllegung des Atommülllagers Morsleben, die Absage aller großen europäischen und deutschen Supermarktketten an Gentechnik in Lebensmitteln, das EU-Verbot für Beißspielzeuge aus Weich-PVC und die Gründung der Stromgenossenschaft Greenpeace energy.

Für die Gesamtorganisation zog Bode eine positive Jahresbilanz. Der Geschäftsführer erklärte: "Wir wollen noch stärker als bisher Industrie und Politik dazu bringen, Lösungen zu entwickeln, die zu mehr Umweltschutz beitragen und sich zugleich für die Unternehmen auszahlen." Greenpeace wolle in Zukunft verstärkt zur Entwicklung von umweltverträglichen Technologien beitragen. Bode kündigte an, eine neue Abteilung für ökologische Problemlösungen und Innovationen einzurichten. Sie solle von dem deutschen Systemanalytiker und Physiker Harry Lehmann geleitet werden.

Die Umweltschutzorganisation kritisierte, die Regierung überlasse die Erforschung neuer Technologien der Wirtschaft. Regierungen könnten nicht erwarten, dass Wissenschaft unabhängig sei. Sie stünde oft im Dienst der Wirtschaft, die Profit erzielen wolle. Daher seien demokratische Diskussionen über wissenschaftliche und technologische Entwicklungen notwendig.

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